02 Brief des Vorstandsvorsitzenden 2008 war für den Bankensektor das schwierigste Jahr seit vielen Jahrzehnten. Die Kreditkrise, die in der zweiten Jahreshälfte 2007 begann, setzte sich fort und belastete unser Marktumfeld. Mit dem Zusammenbruch einer großen US-amerikanischen Investmentbank im September kam es zu einer plötzlichen und drastischen Verschlechterung der Marktbedingungen. Das globale Finanzsystem geriet unter starken Druck – ein akuter Liquiditätsmangel, ein deutlich zurückgehendes Interbankengeschäft und weitere Einbrüche an den Kreditmärkten waren die Folgen. An den Aktienmärkten sanken die Kurse dramatisch und die Volatilität stieg extrem an. Regierungen und Zentralbanken reagierten weltweit in einem beispiellosen Ausmaß, um einzelne Finanzinstitute und ganze Märkte zu stützen. Von diesen außergewöhnlichen Bedingungen wurde die Finanzbranche schwer beeinträchtigt – und die Deutsche Bank war leider keine Ausnahme. Obgleich es uns gelungen war, in der ersten Phase der Krise profitabel zu bleiben, muss- ten wir für das vierte Quartal 2008 einen Verlust nach Steuern von 4,8 Mrd € und von 3,9 Mrd € für das Gesamtjahr hinnehmen. Diese negativen Ergebnisse sind in erster Linie auf Schwächen in bestimmten Geschäftsfeldern zurückzu- führen, die durch die extremen Bedingungen im vierten Quartal zutage traten. Wie bisher waren wir unverändert konservativ bei der Bewertung unserer eigenen Verbindlichkeiten mit der sogenannten „Fair Value Option“. Hätten wir diese Bewertungsmethode für alle unsere ausstehenden Schulden ange- wendet, wäre unser Vorsteuerergebnis 2008 um 5,8 Mrd € höher ausgefallen. Auch wenn wir eine solide Kapitalquote sowie eine stabile Liquiditäts- und Refinanzierungsbasis aufrechterhalten konnten, haben wir unverzüglich auf das schlechte Ergebnis 2008 reagiert und umfassende Korrekturmaßnahmen in den betroffenen Bereichen eingeleitet. Im Konzernbereich Corporate and Investment Bank wiesen wir für das Geschäfts- jahr 2008 einen Verlust vor Steuern in Höhe von 7,4 Mrd € aus, der durch einen Vorsteuerverlust in Höhe von 8,5 Mrd € in unserem Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities bedingt war. Darin spiegeln sich die Auswir- kungen der extrem ungünstigen Marktbedingungen im vierten Quartal auf unser Geschäft wider. Zusammenbrechende Beziehungen zwischen Vermö- genswerten und zugehörigen Sicherungsinstrumenten, hohe Volatilitäten und bislang beispiellose Korrelationen zwischen unterschiedlichen Finanz- produkten in Verbindung mit deutlichen Liquiditätsengpässen verursachten Dr. Josef Ackermann Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee
