1. DAS UNTERNEHMEN 4SC AG 1.1 GESCHÄFTSTÄTIGKEIT Die 4SC AG ist ein international tätiges Biotech- unternehmen, welches sich darauf spezialisiert hat, neuartige Medikamente gegen schwere Krankheiten mit den Indikationsschwerpunkten Autoimmun- und Krebs- erkrankungen zu erforschen und zu entwickeln. Unter- nehmensziel ist der Aufbau einer nachhaltigen und breit aufgestellten Produktpipeline. Dafür werden nieder- molekulare Medikamentenkandidaten bis in die frühen klinischen Phasen entwickelt und nach dem Nachweis ihrer Wirksamkeit („Proof-of-Concept“) zu attraktiven Produkten für Lizenzpartnerschaften mit Pharma- und Biotechunternehmen. Im Anschluss sollen diese Partner die Weiterentwicklung und Vermarktung durchführen. Mit solchen Partnerschaften will die 4SC AG Lizenzge- bühren, Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligungen erwirtschaften und damit ein substanzielles Unterneh- menswachstum erzielen. Weiterhin generiert die 4SC AG Erträge aus Forschungskooperationen mit Pharma- und Biotechunternehmen. 1.2 RECHTLICHE STRUKTUR UND ORGANISATION Die 4SC AG ist eine Aktiengesellschaft nach deutschem Recht. Sie wurde am 3. August 2000 als 4SC Drug Discovery AG gegründet. Seit dem 15. Dezember 2005 werden die Aktien der Gesellschaft deutschlandweit im Prime Standard gehandelt. Sitz der Gesellschaft ist Planegg (Martinsried) im Landkreis München. Seit Anfang 2009 hat das Unternehmen eine Betriebsstätte in Überlingen- Bonndorf am Bodensee. 1.3 KURZDARSTELLUNG DER INDIKATIONEN Der therapeutische Schwerpunkt der 4SC AG liegt auf Autoimmun- und Krebserkrankungen. Diese Indikationen verfügen bislang über unzureichende Behandlungsmög- lichkeiten und versprechen ein großes Marktpotenzial. Autoimmunerkrankungen sind Krankheiten, die eine Abwehrreaktion des Immunsystems gegen körpereige- nes Gewebe verursachen. Hier entwickelt die 4SC AG Therapeutika für die Indikationen Rheumatoide Arthritis (RA) und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, allen voran das am weitesten fortgeschrittene Produkt 4SC-101 (seit Januar 2010 unter dem International Non- proprietary Name (INN) Vidofludimus). Krebserkrankungen sind Krankheiten, bei denen Körper- zellen unkontrolliert wachsen, dabei gesundes Gewebe verdrängen und zerstören können. Die aktuellen Indika- tionsschwerpunkte der 4SC AG in der Onkologie sind das Hepatozelluläre Karzinom (HCC) und das Hodgkin Lymphom (HL), gegen die die 4SC AG den Medikamenten- kandidaten Resminostat (4SC-201) entwickelt. Dieser befindet sich derzeit in beiden Indikationen in jeweiligen Phase-II-Studien. Eine Studie in einer dritten Indikation für den Wirkstoff ist in Planung. Parallel dazu läuft mit dem Medikamentenkandidaten 4SC-203 eine Phase-I-Studie an Probanden mit dem Ziel, ihn gegen Akute Myeloische Leukämie weiterzuentwickeln. Mit 4SC-205 befindet sich seit Anfang 2010 ein drittes onkologisches Produkt in der klinischen Prüfung. Im Rahmen dieser Phase-I-Studie wird der Wirkstoff in Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren und malignen Lymphomen untersucht. 1.4 ABSATZMÄRKTE Die 4SC AG beabsichtigt, die entwickelten Medikamen- tenkandidaten an Pharma- und Biotechunternehmen mit etabliertem Medikamentenvertrieb in Lizenz zu ver- geben. Dabei zielt das Unternehmen schwerpunktmäßig auf die wichtigsten Pharmamärkte – die EU, Nordamerika und Japan – sowie andere Märkte ab, die innovativen Medizinprodukten einen entsprechenden Patent- oder Vermarktungsschutz bieten. 1.5 UNTERNEHMENSSTRATEGIE UND ZIELE Die 4SC AG will sich zu einem profitablen Unternehmen entwickeln, indem es Medikamentenkandidaten ent- deckt, entwickelt und in Partnerschaften einbringt, die zur Behandlung von Krankheiten mit hohem medizinischen Bedarf geeignet sind und großes Wachstums- bzw. Absatz- potenzial ausweisen. Mit den Lizenzeinnahmen will die Gesellschaft Umsätze erwirtschaften, die das Unterneh- men in die Profitabilität führen. 2. WIRTSCHAFTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN 2.1 WELTWIRTSCHAFT: AUF DEN EINBRUCH FOLGT DIE LANGSAME ERHOLUNG Nach dem drastischen Einbruch der Weltwirtschaft im Herbst 2008 haben sich die meisten Volkswirtschaften im Jahresverlauf 2009 langsam erholt. In den Industrieländern griffen geld- und finanzpolitische Impulse; auch in den aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften, die unter der globalen Konjunkturkrise besonders gelitten hatten, sta- bilisierte sich die Wirtschaftslage wieder. In Deutschland zeichnete sich in der zweiten Jahreshälfte ebenfalls eine wirtschaftliche Trendwende ab. Dennoch ist die positive Entwicklung fragil, auch vor dem Hintergrund, dass die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen schwierig blieben: Banken waren mit der Vergabe von Krediten sehr zögerlich, so dass sich Unternehmen nur schwer mit dem notwendigen Kapital für Investitionen versorgen konnten. Auch die Versorgung mit Eigenkapital blieb schwierig, da entsprechende Investoren sehr zurückhaltend agierten. 2.2 AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IN DER PHARMA- UND BIOTECHBRANCHE Das Jahr 2009 war weltweit von diversen großen Fusionen und Unternehmenskäufen geprägt: Pfizer, weltgrößter Pharmakonzern übernahm Wyeth für 68 Mrd. US-$. Damit reagierte Pfizer auf drohende Patentabläufe, insbesondere des Patents für den Cholesterinsenker Lipitor, das 2010 abläuft. Durch den Kauf von Schering-Plough durch Merck & Co. für 41 Mrd. US-$ entstand 2009 nach Pfizer der weltweit zweitgrößte Pharmakonzern. Roche schloss im Berichtsjahr die bereits 2008 eingeleitete Übernahme des Biotechriesen Genentech ab. 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