Report-Investor: BAYER AG - Geschäftsbericht 2009

bester Pflege ihrer Felder verlieren die Bauern in einigen Teilen der Welt häufig zwischen 30 und 70 Prozent ihrer Ernten. So kommt es, dass die landwirtschaftlichen Erträge jedes Jahr gerade mal um ein bis zwei Prozent wachsen. Damit alle satt werden, muss sich die Produktion bis 2050 verdoppeln, sa- gen Experten der Ernährungs- und Landwirt- schaftsorganisation der Vereinten Nationen (fao). Um diese enorme Herausforderung zu meistern, ohne die Umwelt zu beeinträchtigen und massenhaft Wälder für die Gewinnung von Ackerfläche zu roden, gibt es nur eine Lösung: eine „Zweite Grüne Revolution“. Schon einmal war die Weltbevölkerung so stark angestiegen, dass die Landwirte mit der Produktion nicht nachkamen. Allein in Indien verhungerten 1943 vier Millionen Menschen. Jahrelang musste das Land danach Millionen Tonnen Getreide importieren. Die Wende brachte die „Erste Grüne Revolution“ Mitte der 1960er-Jahre: Mithilfe neuer Züchtungstech- niken gelang es Wissenschaftlern, Hochleis- tungssorten von Reis- und Weizenpflanzen hervorzubringen, die deutlich mehr Ertrag lieferten und weniger Dünger brauchten. Dies erwies sich als Segen. Binnen zehn Jahren hatten sich die Weizenerträge in Indien nahezu verdreifacht. Ähnliche Erfolge erzielte China durch verbesserten Reis. „Auch heute müssen wir alle verfügbaren Tech- niken nutzen, um die Ernten weltweit zu si- chern“, betont Dr. Michael Metzlaff, Molekular- biologe am Bayer-Innovationszentrum für Pflan- zenbiotechnologie in Gent. Derzeit arbeiten bei BioScience knapp 1.000 Wissenschaftler und Züchter in mehr als 50 Forschungsvorhaben an Pflanzen, die vor allem für die Ernährung, aber auch für die Bekleidung der Menschen eine zen- trale Rolle spielen. Und künftig sollen es noch deutlich mehr Projekte werden. Erbgut von Raps komplett entschlüsselt Beispiel Raps: Im August 2009 hat Bayer Crop- Science in Saskatoon im Westen Kanadas eine der weltweit modernsten Forschungs- und Zuchtstationen für Canola, den nordamerika- nischen Raps, eingeweiht. Künftig wollen die Forscher hier herausfinden, welche Gene der Pflanze zum Beispiel die Fähigkeit verleihen können, starke Temperaturschwankungen oder Trockenheit auszuhalten. Die Startbedingungen dafür sind gut. Im Okto- ber 2009 ist es Bayer-Forschern gelungen, das Raps-Erbgut komplett zu entschlüsseln – in Ko- operation mit öffentlichen Forschungsinstituten, dem Beijing Genomics Institute-Shenzhen in China und der University of Queensland in Australien, sowie dem niederländischen Bio- tech-Unternehmen Keygene in Wageningen. Beispiel Reis: Mit durchschnittlich 38 Prozent pro Jahr wächst das Geschäft mit Hybrid-Reis- saatgut bisher am stärksten. Hauptgrund dafür „Wir wollen die Qualität der Baum- wollpflanzen verbessern, die Erträge der Pflanzen steigern und sie weniger anfällig für außergewöhnliche Belas- tungen machen.“ LinDa TROLinDER Leiterin Baumwollforschung, Bayer cropScience 30%–70% Trotz bester Pflege verlieren Bauern in einigen Teilen der Welt zwischen 30 und 70 Prozent ihrer Ernten aufgrund extremer Wetterbedingungen. MaGazin 29BayER-GEScHäFTSBERicHT 2009 InhaltsübersIcht

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