48 | Management | Unternehmen | Lagebericht | Jahresabschluss | Service Lagebericht 2009 I Geschäfts- und Rahmenbedingungen Globale Rezession und Finanzmarktkrise Das Jahr 2009 war von der schwersten weltwirtschaft lichen Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg als Folge der in einigen Ländern geplatzten Immobilienpreis blase und der anhaltenden globalen Krise des Finanzsek tors geprägt. Der Welthandel ist drastisch geschrumpft, Auftragseingang, Produktion und Wirtschaftsleistung waren in allen Industrienationen deutlich rückläufig,in Deutschland aufgrund seiner starken Exportabhängig keit besonders ausgeprägt. Eine Stabilisierung der Finanzmärkte konnte nur durch konzertierte Stützungsmaßnahmen der Regierun gen und Notenbanken auf internationaler Ebene erreicht werden. Bankkonzerne wurden durch staatliche Garan tien, Kapitaleinschüsse und Verstaatlichung vor der In solvenz gerettet und ein vollständiger Zusammenbruch des Finanzsystems so verhindert. Die Zentralbanken der großen Industrienationen versorgten die Finanzmärkte über historisch niedrige Zinsen und spezielle Offen marktfazilitäten nahezu unbegrenzt mit Liquidität als Ersatz für den zeitweise nicht mehr stattfindenden Inter bankenhandel.Parallel hierzu wurden massive Konjunk turprogramme beschlossen,um den realwirtschaftlichen Abschwung zu bremsen. Die rückläufige Entwicklung an den Immobilien märkten hat sich auch 2009 beschleunigt fortgesetzt.Die Preise sind insbesondere in den Märkten USA, Großbri tannien und Spanien weiter eingebrochen,aber auch alle anderen Märkte konnten sich diesem Trend nicht entzie hen. In Deutschland waren die Preisrückgänge im ge werblichen Bereich verhältnismäßig moderat, die Preise für Wohnimmobilien blieben sogar nahezu stabil.Aller dings schlug sich das Marktumfeld insgesamt in noch mals weniger Transaktionen mit spürbar geringeren Handelsvolumina nieder. Ob sich die abzeichnende Bo denbildung verfestigen kann,bleibt abzuwarten. In der zweiten Jahreshälfte kam es dann zum Um schwung: Die Weltfinanzmärkte entspannten sich,Stim mungs und Konjunkturindikatoren wiesen erstmals wieder leicht nach oben, Handelsvolumen und Brutto inlandsprodukt schwenkten wieder auf einen Wachs tumspfad ein. Mit dem zurückkehrenden Vertrauen der Marktteilnehmer nahmen die Transaktionsvolumina an den Geld und Kapitalmärkten und die Risikoneigung der Investoren wieder zu,sodass sich die Geld und Kapi talmärkte wieder öffneten und sich die zuletzt rasant ge stiegenen Risikoprämien für Unternehmens,Bank und Staatsanleihen deutlich zurückbildeten. Das war nicht zuletzt Folge der durch die Stützungsmaßnahmen der Zentralbanken bereitgestellten Liquiditätshilfen, die die Realwirtschaft offenbar nicht in dem erwünschten Maße erreichten.Daher ist es eine zentrale Aufgabe der Noten banken und Regierungen, Fehlentwicklungen und neue Blasenbildungen aufgrund der großzügigen Liquiditäts ausstattung rechtzeitig zu eliminieren. Die Zentralbankmaßnahmen bewirkten zusammen mit staatlichen Stützungsprogrammen eine weltweite Erholung der Konjunktur. In Deutschland wuchs das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Jedoch lag die Wirtschafts leistung immer noch 4,7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.Die derzeit vorliegenden Indikatoren sprechen zwar für ein weiteres Wachstum, da die Nachfrage und die Produktion in der Industrie zuzunehmen scheinen. Ob die Stützungsmaßnahmen für die Konjunktur ihre Wirkung entfalten und damit das noch eingetrübte Ge schäftsklima aufhellen können, bleibt jedoch abzuwar ten. Die wirtschaftlichen Anzeichen für das kommende Jahr weisen also leicht positive Tendenzen auf, wobei von der Inflationsseite kaum Gefahren drohen,zumal die Produktionskapazitäten nicht in voller Höhe ausgelastet sind.Allerdings bestehen weiterhin erhöhte Risiken, be denkt man die auslaufenden Konjunkturprogramme und potenziellen Belastungen des Arbeitsmarktes.Die Staats verschuldung hat in allen Industrieländern deutlich zu genommen, teilweise so bedenklich, dass sich die Frage stellt,ob die Lasten von diesen Ländern noch geschultert werden können. Zudem bleibt fraglich,wie hoch die er forderlichen Abschreibungen auf »toxische« Werte in den Bankbilanzen noch sind und ob diese parallel mit den in der Folge der Rezession steigenden Kreditausfäl len bewältigt werden können, ohne erneut eine Vertrau enskrise hervorzurufen. Die Chancen,dass dem vehementen Abschwung eine langsame konjunkturelle Erholung folgt, sind gegeben, die Risiken dürfen aber nicht unterschätzt werden. Zinsentwicklung Nachdem die EZB den Leitzins bereits im Vorjahr in drei Schritten von 4,25 Prozent auf 2,50 Prozent gesenkt hatte, wurde die expansive Geldpolitik in 2009 in vier weiteren Schritten forciert. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt seit Mai 2009 auf dem historischen Tiefstwert von 1,00 Prozent. In Verbindung mit weiteren Maßnahmen ihrer Offenmarktpolitik stellte die Notenbank den Marktteil nehmern damit die erforderliche Liquidität zur Verfü gung,die der gestörte Interbankenmarkt nicht mehr ge
