8 Commerzbank Geschäftsbericht 2009 Konzernlagebericht Wirtschaftliche Rahmenbedingungen Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen Das Jahr 2009 war aus Sicht der Weltwirtschaft zweigeteilt: Während sich in den ersten Monaten des Jahres die Talfahrt gerade in den Industrieländern ungebremst fortsetzte, begann im Frühjahr eine teilweise recht kräftige Erholung. Nachdem die westlichen Regie- rungen und Notenbanken den Unsicherheitsschock nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers beseitigen konnten, begannen die Unternehmen, einen Teil der zuvor unterlassenen Investitionen nachzuholen und die reduzierten Lager wieder aufzufüllen. Dabei haben die Emerging Markets in Asien die Krise am schnellsten und mit den geringsten Ein- bußen überwunden, unter anderem, weil ihr Finanzsystem nur in geringem Umfang von der Finanzkrise betroffen war. In Mittel- und Osteuropa hat sich die Krise dagegen deutlich bemerkbar gemacht. Eigene Probleme wie zum Beispiel in der Ukraine die hohe Verschul- dung der privaten Haushalte in Fremdwährung und die wegbrechende Nachfrage aus West- europa ließen die Wirtschaft deutlich schrumpfen; nur Polen konnte 2009 einen leichten Anstieg des realen Bruttoinlandsproduktes verzeichnen. Auch in Westeuropa hat sich die Wirtschaft ab dem Frühjahr nach und nach wieder belebt. In einigen Ländern wie Spanien und Großbritannien, wo es zuvor einen Immobilienboom gegeben hatte, wurde die Rezession aber wohl erst zum Jahresende überwunden. Für alle Industrieländer gilt, dass das Produk- tionsniveau vor Ausbruch der Krise noch lange nicht wieder erreicht ist, weshalb die Arbeits- losigkeit teilweise deutlich stieg und der Inflationsdruck weiter abnahm. Wegen seiner hohen Abhängigkeit von den Auslandsmärkten und der Nachfrage nach Investitionsgütern ist das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland unter den Industrieländern mit am stärksten eingebrochen. Im Jahresdurchschnitt schrumpfte die Wirtschaft gegenüber dem Vorjahr um 5 %. Allerdings folgte auch hier – einem seit Gründung der Bundesrepublik beispiellosen Einbruch im ersten Quartal – eine recht kräftige Erholung, die von der zuvor auch besonders stark betroffenen Industrie angeführt wurde. Am Anfang wurde diese Auf- wärtsbewegung durch die von der Abwrackprämie und ähnlichen staatlichen Programmen in anderen Ländern angeschobenen Nachfrage nach Pkws und das – für den Beginn eines Auf- schwungs typische – Drehen des Lagerzyklus’ getragen. In der zweiten Jahreshälfte hat aber auch die Nachfrage nach Investitionsgütern allmählich angezogen, wodurch die Erholung auf einer breiteren Basis steht. Positiv überrascht hat die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt; ver- glichen mit dem deutlichen Produktionsrückgang hielt sich der Beschäftigungsrückgang in Grenzen. Hierzu beigetragen hat die deutliche Ausweitung der Kurzarbeit. Allerdings scheint die inzwischen sehr viel größere Flexibilität bei den Arbeitszeiten – vermehrte Nutzung von Arbeitszeitkonten etc. – eine noch wesentlich größere Bedeutung gehabt zu haben. Auch an den Finanzmärkten war das Jahr zweigeteilt. Bis Anfang März war Sicherheit Trumpf: Die Kurse von Aktien und Unternehmensanleihen stürzten weiter ab, gesucht waren Anleihen mit höchster Bonität und Liquidität. Daher kam es auch bei Staatsanleihen zu einer zunehmenden Differenzierung: Innerhalb der Währungsunion stiegen die Renditeabstände spürbar an, einige Mitgliedsländer hatten sogar Probleme, neue länger laufende Anleihen zu platzieren. Mit den ersten Anzeichen für eine Stabilisierung der Weltwirtschaft kam die Wende: Aktien und Unternehmensanleihen konnten deutlich an Wert zulegen. Ein deutlicher Zinsanstieg blieb allerdings aus, da sich die Inflationsgefahren aus Sicht der Märkte sehr in Grenzen hielten und darum auch mit keiner schnellen Reaktion der Notenbanken gerechnet wurde. Da dies auch für die amerikanische Notenbank galt und damit der US-Dollar gegen- über vielen anderen Währungen bei kurzen Laufzeiten einen Zinsnachteil aufwies, blieb der US-Dollar unter Druck.
