80 Commerzbank Geschäftsbericht 2009 Konzernlagebericht Auf Basis der Geschäftsstrategie und unter Berücksichtigung der Risikotoleranz werden Richtlinien und Limite für das Refinanzierungsprofil und die Refinanzierungsmittel abgeleitet. Übergeordnete Entscheidungen in Bezug auf das Liquiditätsmanagement werden vom Zen- tralen Asset-Liability-Committee (ALCO) getroffen, das in regelmäßigen Abständen zusammen- tritt. Die Überwachung der gesetzten Limite erfolgt durch die unabhängige Risikofunktion. Das Liquiditätsmanagement in der Group Treasury gliedert sich in operative und strate- gische Komponenten. Im Rahmen des operativen Liquiditätsmanagements erfolgen die Steue- rung der täglichen Zahlungen, die Planung der erwarteten Zahlungsströme und die Steue- rung des Zugangs zu Zentralbanken. Darüber hinaus befasst sich das operative Liquiditäts- management mit dem Zugang zu unbesicherten und besicherten Refinanzierungsquellen im Geld- und Kapitalmarkt und dem Management unseres Liquiditätsportfolios. Das strategische Liquiditätsmanagement beinhaltet die Aufstellung und Auswertung von Fälligkeitsprofilen liquiditätsrelevanter Aktiva und Passiva inklusive der Modellierung von dauerhaft verfügbaren Anteilen der Kundeneinlagen – den sogenannten Bodensätzen –, die daraus abgeleiteten Emissionsstrategien des Konzerns sowie die Ermittlung und Allokation der Liquiditätskosten, die in die Steuerung der Geschäftsaktivitäten der Bank einfließen. Zur Kompensation unerwarteter kurzfristiger Liquiditätsabflüsse unterhält die Group Treas- ury ein zentrales Liquiditätsportfolio hochliquider und zentralbankfähiger Wertpapiere, die mit einer mittel- bis langfristigen Refinanzierung unterlegt sind. Darüber hinaus hält die Commerzbank eine Liquiditätsreserve aus frei verfügbaren Barmitteln und liquiden Wert- papierpositionen. Der Konzern stützt sich bei der kurz- und mittelfristigen Refinanzierung auf eine angemessen breite Diversifikation hinsichtlich Anlegergruppen, Regionen, Produkten und Währungen. Die Überwachung des Liquiditätsrisikos in der Commerzbank erfolgt durch die unabhän- gige Risikofunktion anhand eines internen Modells. Über die Liquiditätsrisikosituation wird dem ALCO und dem Vorstand regelmäßig berichtet. Wesentliche Bestandteile der Liquiditätssteuerung sind das interne Modell (Available Net Liquidity (ANL)-Konzept) mit einem Betrachtungshorizont bis zu einem Jahr und das Stable Funding-Konzept mit einem Betrachtungshorizont größer als ein Jahr. Als Grundlage der täg- lichen Liquiditätssteuerung wird das ANL-Konzept verwendet. Dieses ermittelt die verfügbare Nettoliquidität (ANL) für die nächsten zwölf Monate auf Basis von vertraglichen und ökono- mischen Zahlungsströmen bilanzieller und außerbilanzieller Transaktionen sowie den liqui- dierbaren Vermögenswerten, indem es die erwarteten Mittelzuflüsse den erwarteten Mittel- abflüssen gegenüberstellt. Zur Überwachung und Steuerung des Liquiditätsrisikos verwendet die Commerzbank ein vierstufiges Limitkonzept. Neben dem Konzernlimit bestehen weitere Limite für Tochter- gesellschaften, Konzernbereiche und deren Untereinheiten. Liquiditätsrisiken aus Fremdwäh- rungen werden zusätzlich limitiert. Durch das bestehende Limitkonzept wird gewährleistet, dass ein sich abzeichnender Liquiditätsengpass möglichst frühzeitig erkannt wird und ent- sprechende Maßnahmen zu deren Beseitigung rechtzeitig ergriffen werden können. Einen wichtigen Baustein des internen Liquiditätsrisikomodells stellt das Stresstesting dar, das die Auswirkungen unplanmäßiger Entwicklungen auf die Liquiditätssituation aufgrund von institutsspezifischen und marktbedingten Ursachen sowie einer Kombination von diesen simuliert. Die Ergebnisse des Stresstestings fließen in die Definition des Limitkonzepts und die Erarbeitung eines nachhaltigen Notfallplans ein. Die Stressszenarien werden täglich neu berechnet. Die den Stressszenarien zugrunde liegenden Annahmen werden regelmäßig über- prüft und den Veränderungen des Marktumfelds angepasst.
