8 Einführung Mehr Sicherheit für den Kapitalmarkt – wie Börsen die Risiken ihrer Kunden managen Risikomanagement ist eine Kernfunktion unseres Geschäfts. Wir versichern unsere Kunden über unser Clearinghaus gegen das Risiko des Ausfalls eines Ver- tragspartners. Wir minimieren das operative Risiko unserer Kunden durch die Stabilität der elektronischen Systeme, die wir entwickeln und betreiben. Und wir verwahren Wertpapiere im Auftrag unserer Kunden bei höchster Sicherheitsstufe – und nutzen dies für weitere Risikomanagement-Services. Sicherheit ist nicht alles, aber ohne Sicherheit ist alles nichts. Dieser Leitsatz gilt nicht nur für die Politik, sondern auch für die Finanzmärkte – gerade weil es hier immer auch um den Handel mit Risiken geht: in Produkten mit unterschiedlichem Risikoprofil wie Aktien oder Derivaten, zwischen Akteuren mit verschiedener Risikoneigung. Beherrschbar sind diese Risiken nur, wenn es zugleich erfahrene Lotsen, sichere Häfen und stabile Anker gibt. Genau das ist gemeint, wenn als Kernfunktion des Finanz- sektors die „Risikotransformation“ genannt wird. Der Finanzsektor erfüllt damit eine dienende Funktion für die Gesamtwirtschaft – und dies gilt für Banken ebenso wie für Börsen. Anders als Banken gehen Börsen allerdings nicht selbst ins Risiko; vielmehr bieten sie ihren Kunden Plattformen, Technologien und Dienstleistungen für das eigenverantwortliche Management von Risken an. Börsen haben daher einen Anreiz, Risiken und deren Absicherung gegenüber ihren Kunden jederzeit transparent zu machen und durch intelligentes Marktdesign Risiken zu minimieren, wo immer dies möglich ist. Die beiden klassischen Formen der Risikotransformation an der Börse beziehen sich auf die Kernfunktionen der Börse: zum einen die Aufteilung der Risiken eines Unter- nehmens auf die Schultern zahlreicher Investoren im Tausch gegen eine Beteiligung an den erwarteten Gewinnen, zum anderen die Möglichkeit zum reibungslosen Ein- und Aus- stieg in einen Wert je nach persönlicher Risikoneigung. Moderne Börsenorganisationen haben sich inzwischen zu vielseitigen Finanzdienstleistern entwickelt, die im Auftrag ihrer Kunden noch weitere Risiken managen: operative Risiken, Kontrahentenrisiken und Liquiditätsrisiken. Sie bieten damit Dienstleistungen an, die im Finanzsektor zu- nehmend gefragt sind; denn Geschwindigkeit, Reichweite und Vielfalt des Handels sind in den vergangenen Jahren immens gestiegen: In immer leistungsfähigeren elektroni- schen Netzwerken überwinden die Handelsströme inner- halb von Millisekunden nationale Grenzen, und dies längst nicht mehr nur bei Aktien. Dadurch erhöhen sich auch die Anforderungen an die Zuverlässigkeit der Handelssys- teme, an die Verlässlichkeit von Handelsabschlüssen und an die Zahlungsfähigkeit der Handelspartner. Sicherheit durch integriertes Clearing Die Finanzkrise hat es gezeigt: Der Ausfall eines wichtigen Vertragspartners kann schwer wiegende Folgen haben. Um das Ausmaß der Folgen zu begrenzen, gibt es im Handel zentrale Gegenparteien, die zwischen den Vertragspartnern stehen: als Käufer für jeden Verkäufer und als Verkäufer für jeden Käufer (siehe hierzu die Grafik auf S. 4). Das hat für die am Handel Beteiligten in puncto Risiko einen doppelten Effekt: Zum einen garantieren zentrale Gegenparteien die Zahlung und Lieferung des jeweiligen Finanzinstruments. Sie versichern die Marktteilnehmer
