9Einführung somit gegen das Risiko des Ausfalls eines Vertragspart- ners: das Kontrahentenrisiko. Dafür stellen die Marktteil- nehmer laufend Sicherheiten zur Verfügung, die den Risiken ihrer Handelsposition entsprechen. Darüber hin- aus zahlen sie in einen Fonds ein, der als zusätzlicher Sicherungsmechanismus für etwaige Ausfälle aufkommt. Damit die Absicherung funktioniert, müssen die Risiken genau gemessen und dem Kunden mitgeteilt werden – und dies möglichst in Echtzeit. Die zentrale Gegenpartei der Deutschen Börse, Eurex Clearing, ist die einzige weltweit, die ihre Teilnehmer laufend über deren aktuelle Risikoposition informiert. Zum anderen ermöglichen zentrale Gegenparteien „multi- laterales Netting“. Das bedeutet: Wenn mehrere Banken miteinander handeln, müssen sie am Ende des Tages nur die Werte bezahlen und liefern, um die sich ihre Bestände netto verändert haben. Dadurch sinkt das Volumen der ab- zuwickelnden Transaktionen erheblich – und damit auch das operative Risiko, dass es zu Fehlern und Verzug bei der Verrechnung und Lieferung von Finanzinstrumenten kommt. Anfänglich waren zentrale Gegenparteien als Clearing- häuser vor allem an Terminmärkten üblich, weil dort die Risiken aufgrund der Hebelwirkung der gehandelten Produkte besonders hoch sind. Inzwischen sind zentrale Gegenparteien auch an Kassamärkten weit verbreitet. In Zukunft werden sie zudem für den außerbörslichen Handel eine immer wichtigere Rolle spielen: als Mechanis- men, die den Handel sicherer und damit auch weniger krisenanfällig machen. Sicherheit durch leistungsfähige Technologie Leistungsfähige elektronische Systeme für den Wertpapier- handel sind zur unerlässlichen Voraussetzung für Börsen geworden, um im zunehmenden Wettbewerb der Markt- plätze zu bestehen. Die Elektronisierung reicht dabei vom Auftrag bis zur Aufbewahrung. Nach der ersten elektroni- schen Revolution in den 80er und 90er Jahren hat sich in jüngster Zeit eine zweite elektronische Revolution voll- zogen: Kauf- und Verkaufsaufträge werden inzwischen nicht nur über Netzwerke blitzschnell weitergeleitet und in Hochleistungscomputern verarbeitet, sondern auch von Computern generiert – und zwar im Millisekundentakt. Dadurch wird die Stabilität der IT-Systeme und damit das Management operativer Risiken vor ganz neue Heraus- forderungen gestellt. Die elektronischen Börsensysteme müssen den Handelsteilnehmern zweierlei zugleich bieten: höchste Geschwindigkeit bei geringster Fehleranfälligkeit. In der IT-Fachsprache bedeutet das: Die Systeme müssen minimale Latenz und maximale Verfügbarkeit bieten (siehe hierzu die Grafik auf S. 60). Je höher die Geschwindigkeit wird, desto entscheidender ist die physische Entfernung zum Börsencomputer, auf dem die Aufträge zusammengeführt werden. Die Deutsche Börse bietet ihren Kunden deshalb so genannte Proximity- Rechenzentren mit hohen Bandbreiten in Frankfurt an, die inzwischen von über 100 Teilnehmern genutzt werden. Bei Xetra® ist die durchschnittliche Zeit, die eine Order bei Nutzung dieser Services vom Auftrag bis zum Eingang der Abschlussbestätigung benötigt, im vergangenen Jahr von acht auf drei Millisekunden gesunken. Bei Eurex® hat sich dieser Zeitraum für eine Futures-Order sogar von fünf auf zwei Millisekunden reduziert. Außerdem gibt es seit August 2009 eine neue Datenleitung von London nach Frankfurt mit einer Kapazität von zehn Gigabit pro Sekunde, die außer für den Handel auch für die ultraschnelle Vertei- lung der Marktdaten eingesetzt wird. Sie setzt in Sachen Geschwindigkeit mit einer Netzwerk-Latenz von unter fünf Millisekunden neue Standards.
