14 Eine Menge Bewegung im Retail Banking. Wie steht es mit den anderen Geschäftsfeldern? In unseren anderen Marktsegmenten sehen wir keinen akuten Veränderungsbedarf. Im Firmenkundengeschäft sind wir mit unserer Mittelstandsstrategie gut aufgestellt. Hier müssen wir nichts neu erfinden. Im Transaction Banking sind wir mit unserer Führungsrolle im deutschen Markt gut positioniert. Wir sind uns sicher, dass der HSH Nordbank, die wir 2009 als Kunden gewinnen konnten, künftig weitere Mandanten folgen werden. Durch die Neuakquisition können wir den geplanten Rückzug eines anderen Mandanten teilweise kompen- sieren. Auch Financial Markets agiert erfolgreich in dem weiterhin anspruchsvollen Marktumfeld und hat im vergangenen Jahr maßgeblich zur Verbesserung unseres Risikoprofils beigetragen. Ein wichtiges Thema. Wie geht es bei den bereits Mitte 2008 eingeleiteten Maßnahmen zur Optimierung des Risikoprofils voran? Das läuft planmäßig. Wir haben dabei ja drei Handlungsfelder im Blick: Erstens die Beibehaltung unserer starken Liquiditätsposition. Hier profitiert die Bank nach wie vor von ihrem starken Einlagengeschäft, das wir 2009 deutlich ausgebaut haben, und darüber hinaus haben wir die Möglichkeit, Pfandbriefe zu emittieren, was uns weitestgehend unabhängig von einer teureren ungedeckten Refinanzierung macht. Zweitens treiben wir den Abbau von Kapitalmarktbeständen konsequent voran. Nach dem kompletten Abbau unserer Aktienpositionen im Vorjahr haben wir 2009 die Finanzanlagen um 12,9 % verringert. Dank des inzwischen ausgeglichenen Verhältnisses von Kundeneinlagen- und -krediten werden wir unser Portfolio bis Ende 2013 im Vergleich zur Mitte des Jahres 2008 voraussichtlich um ca. 45% reduzieren. Drittens arbeiten wir fortlaufend daran, unser Kernkapital zu stärken. Im zurückliegenden Jahr ist uns dies gut gelungen. Zum Jahresende lag die Kernkapitalquote bei 7,6% – für eine Bank mit Schwerpunkt im Privat- kundengeschäft und vor allem wegen unserer herausragenden Liquiditätsausstattung ein angemessener Wert. Die Postbank hat in der Krise gezeigt, dass sie im Vergleich zu Banken mit anderen Geschäftsmodellen mit einer geringen Kapitalquote erfolgreich agieren und ihr Kreditvolumen gleichzeitig ausweiten kann. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion der neuen regulatorischen Rahmenbedingungen im Bankensektor wollen wir die Kernkapitalquote bis 2012 weiter steigern, und zwar – nach den aktuell gültigen Definitionen – auf 10 %. Wichtige Schritte dahin sind die Einführung fortschrittlicher Risikomessverfahren ab Ende 2010 und ein Ver- zicht auf eine Dividendenzahlung an unsere Aktionäre bis 2012. Eine Maßnahme, die aus unserer Sicht wegen der zu erwartenden höheren regulatorischen Anforderungen unverzichtbar ist und bei der ich auf das Verständnis unserer Aktionäre hoffe. Ein anderes Thema: Eine große Aktionärin ist seit etwa einem Jahr die Deutsche Bank. Wie kommen Sie bei der Kooperation voran? Sehr gut. Wir haben gemeinsam eine Reihe von Ideen entwickelt und die entsprechenden Maßnahmen auf den Weg gebracht. Die bisherigen Ergebnisse sowohl bei der Zusammenarbeit im Kundengeschäft als auch bei Abwicklungsthemen und im Einkauf zeigen, dass wir die gesetzten Ziele erreichen werden. Im Kunden- geschäft haben wir primär unsere jeweiligen Produktpaletten um komplementäre Produkte des anderen Hauses erweitern können. Die Postbank profitiert dabei von der Deutschen Bank vor allem im Bereich der Investmentprodukte. Im Gegenzug haben wir der Deutschen Bank Kreditprodukte zur Verfügung gestellt.
