29 EvotEc – gEschäftsbEricht 2009 Während die Aktienmärkte im ersten Quartal noch schwach waren, halfen im Frühsommer positive Frühindikatoren, unterstützt durch massive Unterstützungsprogramme der Regierungen, wieder Vertrauen in die Märkte aufzubauen. Im Jahresverlauf gewannen die Aktienmärkte global 25%, wobei sich die BRIC-Staaten besonders stark entwickelt haben. Der deutsche Aktienindex DAX schloss zum Jahresende mit einem Gewinn von 23,8%, im Einklang mit den anderen europäischen Aktienmärkten (FTSE 100: 22,1%, CAC40: 22,3%, IBEX: 29,8%). Der Dow-Jones-Index gewann auf Jahressicht 18,8%, während der NASDAQ Composite Index sogar beachtliche 43,9% gegenüber Vorjahr zulegte. Die Biotechnologie-Indizes verbesserten sich auch, jedoch ausgehend von einem niedrigen Niveau. Der NASDAQ Biotech Composite gewann 15,6%. Der Anstieg blieb aufgrund verbreiteter Insolvenzgefahr hinter der Gesamtmarktentwicklung zurück. Auch wenn die Umsätze der pharmazeutischen Industrie von diesem wirtschaftlichen Abschwung nicht betroffen waren, waren die Nachwirkungen der Krise vielfältig. Das trifft insbesondere für Biotechnologieunternehmen zu, da ihnen Refinanzierungsmöglichkeiten nur noch begrenzt zur Verfügung standen und F+E-Budgets im gesamten Sektor gekürzt wurden. Aufgrund von anhaltenden Problemen mit Patentabläufen und dünnen Pipelines haben aber fast alle führenden Pharmaunternehmen öffentlich gesagt, dass ihr Wachstum sowohl organisch durch eigene Forschung und Entwicklung (F+E) als auch anorganisch durch opportunistische Akquisitionen ganzer Unternehmen oder individueller Projekte erfolgen soll. Die meisten Branchenanalysten sehen mittelfristig wenig Veränderung hinsichtlich der F+E-Budgets der Pharmaunternehmen. Wichtig für Evotec ist es, dass die F+E-Strategien dieser Unternehmen zur Effizienzsteigerung und Reduzierung ihrer Fixkosten vermehrt ausgelagerte F+E-Projekte vorsehen, entweder als Service oder in Form von Kooperationen und Entwicklungspartnerschaften. Das regulatorische Umfeld ist weiterhin schwierig. Bei der US-Gesund- heitsbehörde rücken verstärkt die Aspekte der Sicherheit und Relevanz der Medikamente in den Fokus und übersteigen inzwischen die Bedeu- tung der Wirksamkeit. Es scheint, dass die FDA der Ansicht ist, dass das Zulassungsrisiko nur dann gerechtfertigt ist, wenn das Medikament eine bisher nicht behandelbare Krankheit adressiert oder einen erheblichen Vorteil gegenüber bestehenden Arzneimitteln hat. Dies bedeutet, dass in naher Zukunft Phase-II-Wirksamkeitsstudien (Proof-of-concept) möglicherweise auch routinemäßig Vergleichsstudien umfassen müssen, wenn sich für die jeweilige Indikation bereits ein Medikament auf dem Markt befindet. WECHsElkuRsEntWiCklunG Die kurzfristige Senkung der Leitzinsen durch die Zentralbanken hatte erhebliche Auswirkungen auf verschiedene Währungen, darunter den US-Dollar, das Britische Pfund und den Euro. Das Britische Pfund ist auf seinem Rekordtief gegenüber dem Euro und damit nah der Parität geblieben, nachdem die Bank of England im Januar 2009 die Leitzinsen gesenkt hatte. Investoren, die dem Chaos auf den Weltmärkten ent- fliehen wollten, flüchteten zuerst in US-Staatsanleihen, was zu einem steilen Anstieg des US-Dollars führte. In der zweiten Jahreshälfte 2009 wirkte sich „Carry Trade“ jedoch gegenteilig auf den Wechselkurs aus, und der US-Dollar verlor seine Stärke gegenüber dem Euro. Wäh- rend sich der niedrige US-Dollarkurs gegenüber dem Euro negativ auf die Finanzposition von Evotec ausgewirkt hat, war das schwache Britische Pfund zu Evotecs Gunsten. Das Unternehmen erzielt ca. 40 bis 50% seiner Umsätze in US-Dollar, hat aber eine breite Kosten- basis in England. Gleichzeitig beeinflusste die Umrechnung Evotecs beträchtlichen Anteils an liquiden Mitteln, die in US-Dollar gehalten werden, in Euro die ausgewiesene Liquiditätsposition im Jahresverlauf negativ. Am Jahresende hatte der während des vierten Quartals erfolgte Anstieg des US-Dollars jedoch wieder eine positive Auswirkung auf die Liquidität. Evotec ist eines der wenigen europäischen „Small Cap“- Biotechnologieunternehmen, das mit einer soliden Liquidität ausgestattet ist. Das Unternehmen ist davon überzeugt, dass dies einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil darstellt, um die Gesellschaft weiter zu entwickeln und Mehrwert für Aktionäre zu schaffen. Daher wird Evotec, besonders in dem aktuell schwierigen Marktumfeld, weiter so effizient mit ihrem Kapital umgehen wie nur eben möglich, die Höhe der Finanzierung ihrer F+E-Aktivitäten und Investitionen sorgfältig prüfen und diese mit dem Cashflow aus dem umsatzgenerierenden Geschäft abgleichen um sicherzustellen, dass Evotecs Liquidität für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung der Gesellschaft ausreichen wird. allgemeINe beurTeIluNg der PerFormaNce durch das maNagemeNT Dank einer starken Umsatz-Performance des Unternehmens mit beträchtlichen Meilensteinzahlungen und der Unterzeichnung wichtiger neuer Kooperationsverträge oder Vertragsverlängerungen, dank reduzierter Forschungs- und Entwicklungs- sowie Vertriebs- und Verwaltungskosten und dank vorteilhafter Wechselkurseffekte hat das Unternehmen seine Finanzziele für das Jahr 2009 übertroffen (Details siehe unten). Die erfolgreiche Verpartnerung der EVT-100- Substanzfamilie an Roche bedeutet zudem, dass die Entwicklung des werthaltigsten Projekts in Evotecs Pipeline nun auf Basis attraktiver Vertragskonditionen extern finanziert wird. Die Finanzausstattung von Evotec ist weiter stark, und das Unternehmen ist auf gutem Kurs, spätestens 2012 das Stadium der Profitabilität nachhaltig zu erreichen. Geschäft und Rahmenbedingungen
