Report-Investor: GfK SE - Geschäftsbericht 2009

GfK_45 MUT + Studie: Trust Index + Sektor: Custom Research 112 Die Nummer des Vertrauens Bankangestellte? Fehlanzeige. Manager, Politiker und Werbe- fachleute? Ebenfalls weit gefehlt. Die Feuerwehr, die wie kaum eine andere Berufsgruppe durch Mut und Besonnenheit beim Ein- satz geprägt ist, genießt international das größte Vertrauen. Dies zeigen die Ergebnisse der in 17 Ländern durchgeführten Studie GfK-Vertrauensindex 2009 von GfK Custom Research. Mit Abstand das meiste Vertrauen genießen europaweit die Feuer- wehrleute in Schweden. Es ist Samstag, der 25. Juli 2009. Um 22.15 erhält die Greater Stockholm Fire Brigade einen Alarm. Es brennt im Ortsteil Rinkeby im Norden von Stockholm. Sofort setzen sich mehrere Löschzüge in Bewegung, um zur Brandstelle zu eilen. Rinkeby ist eine Siedlung, die 1968 entstand und auf einem knappen Quadratkilometer Hochhaus an Hochhaus reiht. Hier leben mehr als 14.000 Menschen geschätzter 100 unterschied- licher Provenienzen. In den letzten Jahren sind hauptsächlich Flüchtlinge aus Somalia, Mazedonien und Bosnien hinzuge- kommen. Hier wird „Rinkeby-Svenska“ gesprochen, eine krude Mischung aus Schwedisch und den verschiedenen Idiomen der Einwanderer. Als die Feuerwehr an der Brandstelle ankommt, brennt es im Souterrain eines fünfstöckigen Gebäudes. Sofort gehen die Hel- fer ans Werk, um den Brand löschen und die „Smoke-Diver“ dringen zeitgleich auf der Suche nach Bewohnern mit Atem- schutzgerät in das mit Rauch gefüllte Treppenhaus vor. Das Grauen ist unvorstellbar. Eine Mutter mit ihren sechs Kindern ist ins Treppenhaus geflüchtet, um dem Feuer zu entgehen. Ge- schafft haben sie es nicht. Alle sind bewusstlos und nur bei zwei Opfern wirken die Wiederbelebungsmaßnahmen. Aber auch sie sterben kurze Zeit später im Krankenhaus. „Nach solchen Einsätzen“ erklärt der 56-jährige Mats Lissert, Leiter der städtischen Johannes Feuerwehrstation und seit 1985 Feuerwehrmann in Stockholm Stadt, „sitzen wir noch lange zu- sammen und reden. Wenn Menschen sterben, nimmt das jeden Feuerwehrmann seelisch mit. Und wir reden so lange, bis wir sicher sind, dass alle den Einsatz heil überstanden haben. Wenn nicht, nehmen wir für die Einsatzbesprechung auch unsere Psy- chologen in Anspruch.“ Psychologie scheint ein sehr wichtiges Moment im Leben der Feuerwehrleute zu sein. Das in sie gesetzte Vertrauen ist so groß, dass die Nummer 112 in Schweden – und wahrscheinlich auch anderswo – sehr schnell und sehr oft gewählt wird. Nicht immer sind es Katastrophen, sondern oft auch kleine Unpäss- lichkeiten, bei denen die Menschen sich mit ihren privaten Mög- lichkeiten am Ende sehen. Kinder, die sich irgendwo einge- klemmt haben – 112. Gegenstände, die mit schierer Kraft nicht mehr zu bewegen sind – 112. Tiere, die sich versteigen oder in einem Schlupfloch festsitzen – 112. Bei diesen Einsätzen müssen die Feuerwehrleute sehr flexibel sein und mit psychologischem Feingefühl dafür Sorge tragen, dass Ruhe bewahrt wird. Mut brauchen sie, aber eben auch Be- sonnenheit und körperliche Fitness, um den Herausforderungen des Feuerwehr-Alltags zu begegnen. Etwa bei einem Einsatz an einem Kanal zwischen Festland und Insel. Auf der Insel vor Stockholm gibt es einen Zoo und natürlich auch Elefanten. Beim Freigang der Dickhäuter, eigentlich dazu gedacht, ihnen Bewe- gung zu verschaffen und frisches Gras zum Fressen, wurde ei- nem der Elefanten zu wohl in seiner dicken Haut. Er entschied, dass er gerne ein Bad nehmen würde und ging runter zum stei- nigen und schlüpfrigen Strand. Kurze Zeit später lag er im Was- ser und kam aus diesem nicht mehr heraus. Was machen – 112.

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