Report-Investor: IVG Immobilien AG - Geschäftsbericht 2009

16 Herr Dr. Niesslein, Sie haben am 1. November 2008 – mitten in der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise – die Führung der IVG als Sprecher des Vorstands übernommen. Was hat Sie zu diesem Schritt motiviert und wie fällt Ihr Fazit für die ver- gangenen Monate aus? Dr. Niesslein: Bei der Übernahme der Vor- standsaufgaben bei der IVG Immobilien AG war mir bewusst, dass das Unternehmen,nicht zuletzt aufgrund der weltweiten Finanzkrise, in erheblichen Schwierigkeiten steckte. Ich habe diese Herausfor- derung gerne angenom- men, weil IVG mit einem verwalteten Vermögen von rd. 23 Milliarden Euro zu den führenden Unternehmen in ihrer Branche in Europa zählt und mit ihrer Plattform das Potenzial besitzt, gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen, um sich wieder als Vorbild in der deutschen und europäischen Immobilienlandschaft zu positionieren. Vorher gilt es jedoch, einige Problemfelder konsequent anzugehen. Dazu gehören der Abbau einer viel zu großen und risikobehafteten Projektentwicklungs- pipeline sowie die Reduzierung des Refinanzierungsrisikos der kurzfristig fälligen Verbindlichkeiten. Dies sind zwei Faktoren, die das Unternehmen in eine bedrohliche Schieflage gebracht haben. „Wir haben das Potenzial, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.“ Interview mit Vorstandssprecher Dr. Gerhard Niesslein und Finanzvorstand Prof. Dr. Wolfgang Schäfers, IVG Dieser Restrukturierungsprozess wurde mit dem Eintritt Ihrer Person, Herr Dr. Schäfers, im Februar 2009 in den Vorstand nochmals forciert. Was waren Ihre Beweggründe, die IVG bei diesem Prozess zu begleiten? Sind Sie mit dem bisherigen Ergebnis zufrieden? Dr. Schäfers: Als ich im Februar zur IVG kam, war vor allem meine Expertise bei den Refi- nanzierungsthemen des Unternehmens gefragt, und es gelang uns in einem ersten Schritt, mit- hilfe eines Konsortiums aus 11 Banken die kurz- fristig fälligen Verbindlich- keiten zu restrukturieren und die Fälligkeiten bis 2012 zu verlängern. Dieser sogenannte Syn Loan II über 1,3 Milliarden Euro hat uns in diesem Bereich erst einmal Luft verschafft. In einem zweiten Schritt initiierten wir zur Liquiditätssicherung und Finanzierung noch ausstehender Investitionen ein Verkaufsprogramm über 1 Milliarde Euro, das wir schon vor Ende 2009 zum Abschluss bringen konnten. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Krise ist das durchaus als Erfolg zu bewerten. Ich schätze die Substanz des Unternehmens und das Potenzial der IVG und ihrer Mitarbeiter – hier liegen in meinen Augen unerkannte Werte, die wir im Rahmen der weiteren Unternehmensentwicklung ent- falten können.

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