Brief an die aktionäre 8 natürlich wollte jeder zuvor am Boom teilhaben, und ich kann uns nicht davon ausschließen, denn wir haben zwar öffentlich vor allzu schnellen und großen Preisschritten als nicht nach- haltig gewarnt, aber diese dennoch, wenn auch mit einiger Verzögerung, schließlich umgesetzt. Zugegeben, die ersten erhöhungsschritte geschahen mit einer gewissen erleichterung und Genugtuung, sahen wir uns doch seit Jahrzehnten konfrontiert mit stagnierenden dünge- mittelpreisen, der notwendigkeit, seit der Wiedervereinigung und der integration der ostdeut- schen Kaliwerke etliche Kostensenkungsprogramme und stellenstreichungen umzusetzen, sowie schädlichen Wettbewerbsverzerrungen aufgrund von aus russland und Weißrussland importierten, hoch subventionierten düngemitteln. und sowenig Landwirte ihre erzeugnisse günstiger als zu den am Markt geltenden Bedingungen verkaufen wollen, sowenig hätten auch unsere eigentümer, also sie, verehrte aktionärinnen und aktionäre, Verständnis dafür aufgebracht, wenn wir in einem Zeitraum außergewöhnlicher Knappheit ein Produkt zu Preisen unter Weltmarktpreisniveau verkauft hätten. auch unsere Mitarbeiter hätten sich zu recht gefragt, warum wir eine endliche ressource mit überdurchschnittlichem aufwand in deutschland fördern und dann unter Wert hergeben. ein echtes dilemma! Zu Beginn des vierten Quartals 2008 setzte dann die Weltwirtschafts- und finanzkrise vehe- ment ein; auch die düngemittelmärkte begannen in einer nie dagewesenen schnelligkeit und einem bis dahin unvorstellbaren ausmaß zu schrumpfen: Binnen eines Jahres brachen die absatzmengen der weltweit tätigen Kaliproduzenten um etwa 50% ein. für eine industrie, die einen hohen fixkostenanteil an den Produktionskosten aufweist, ein harter schlag, denn eine geringere Kapazitätsauslastung führt nur zu einem unterproportionalen Kostenrückgang. Warum dann nicht einfach die düngemittelpreise wieder auf ein sehr niedriges niveau ab- senken und darauf hoffen, dass dies die nachfrage entsprechend belebt? diese Vorstellung ist natürlich insbesondere aus dem Bereich der Landwirtschaft an uns herangetragen worden. Von dieser idee hielten jedoch die meisten unserer Kunden aus der handelsstufe und der Mehr- nährstoffdüngerindustrie nicht viel, denn sie verfügten noch über sehr hohe düngemittelvor- räte aus dem Jahr 2008. solange diese Bestände nicht verkauft waren, hätte auch die stärkste Preisreduktion bei uns zu keiner einzigen tonne Mehrabsatz und bei einigen unserer Kunden unter umständen sogar zu existenzbedrohenden Wertberichtigungen geführt. und auch aus sicht der Produzenten gab es gute Gründe: so ist ein angemessenes Preisniveau notwendig, um den künftig unausweichlichen, zeitaufwändigen und sehr teuren ausbau der weltweiten Kalikapazitäten zu bewerkstelligen – denn wie schnell Kali knapp werden kann, war erst im Jahr 2008 zu erfahren. Was war also in 2009 zu tun, um die K+S Gruppe durch diesen sturm zu steuern? n Kapazitätsauslastung: die Produktion musste bei ohnehin schon vollen Lägern sehr stark zurückgefahren sowie produktgruppenspezifisch und standortoptimal angepasst werden. n Kosten: Jede Kostenart stand auf dem Prüfstand. n investitionen: investitionsprogramme wurden gestreckt und/oder gekürzt. n finanzen: ein ausreichender finanzrahmen musste stets sichergestellt sein, und die Kapital- bindung wurde so weit wie möglich gesenkt.
