seit eineinhalb Jahren spürt der exportintensive Druckmaschinenbau die globalen Auswirkun- gen der Finanzmarktturbulenzen vom September 2008 und die dadurch forcierten strukturel- len Veränderungen in der Druckbranche deutlich in den Auftragsbüchern und Bilanzen. Die Abhängigkeit von Zeitungen, Zeitschriften und anderen Printmedien von derzeit nur dünn flie- ßenden Werbegeldern, die Vorliebe jüngerer Leute für die globale Informationsplattform Inter- net und das in der modernen Gesellschaft vorhandene Überangebot im Bereich Medien inklu- sive Print machen vielen unserer Kunden und damit auch uns als Lieferanten zusätzlich zu schaffen. Schlagzeilen und Berichte über hohe Auftrags- und Umsatzeinbrüche, Verluste, Kurz- arbeit, mögliche Fusionen und Arbeitsplatzabbau prägten 2009 das Bild einer über Jahrzehnte international ausgesprochen erfolgreichen Branche in der Presse. Auch Koenig & Bauer blieb von diesen Marktentwicklun- gen und den daraus resultierenden Einschnitten nicht ver- schont. Innerhalb von zwei Jahren gingen der Auftragsbe- stand der AG von über 600 auf unter 300 Mio. €, der Umsatz von 1,4 Mrd. € auf unter 800 Mio. € und die Belegschaft von knapp 6.000 auf unter 5.000 Mitarbeiter zurück. Derart gravierende Veränderungen in so kurzer Zeit steckt kein Industrieunternehmen einfach weg. Den- noch sind wir finanziell bisher besser durch die Krise gekommen als viele andere. Ein Grund dafür ist, dass das Management in guten Jahren neben der Bedienung der Anteilseigner durch einbehaltene Gewinne und eine sorg- same Ausgabenpolitik für die im zyklischen Maschinenbau nicht unbekannten schlechteren Zeiten vorgesorgt hat. Für die angesichts der Dimension des Nachfrageeinbruchs und der Marktperspektiven bereits im Herbst 2008 erkenn- bare Notwendigkeit einer umfassenden Restrukturierung unserer Werke und Organisation haben wir schon im vor- hergehenden Jahresabschluss ausreichend Rückstellungen gebildet und die Umsetzung des Maßnahmenpakets dann früh im Berichtsjahr 2009 mit dem notwendigen Tempo vorangetrieben. Ohne diese Konsequenz wären die Sen- kung der Sach- und Personalkosten um rund 100 Mio. € und die deutliche Ergebnisverbesserung nicht möglich gewesen. Die Nutzung der Kurzarbeit hat uns dabei gehol- fen, wesentlich umfangreicher waren aber die Einsparun- gen bei den Sachkosten. Wir sind bei unserer Neuausrichtung auf ein kleineres Marktvolumen weit fortgeschritten, aber noch nicht ganz durch. 2009 lagen die Schwerpunkte im Geschäftsbereich Bogenmaschinen. Aktuell erörtern wir die noch notwendi- ge weitere Anpassung an einigen Rollenstandorten mit den Arbeitnehmervertretern und Tarifpartnern, um diese anschließend so bald wie möglich umzusetzen. Bis Ende 2010 wird KBA nochmals einige Hundert Menschen weni- ger beschäftigen. Die eingeleiteten Maßnahmen verfolgen das Ziel, auch bei einem kleineren Markt- und Geschäfts- volumen wieder nachhaltig profitabel zu arbeiten. Denn letztendlich ist es im gemeinsamen Interesse unserer Anteils- eigner, Kunden und Mitarbeiter, dass wir aus eigener Kraft die Mittel erwirtschaften können, die wir für eine ange- messene Verzinsung des eingesetzten Kapitals, für not- wendige Innovationen und Investitionen, für die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter und für die langfristige Sicherung der verbleibenden Arbeitsplätze benötigen. Eine tiefgehende Restrukturierung ist für alle Beteiligten schmerzlich. Für die von Freisetzungen unmittelbar betroffe- nen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter samt Familien, für den Vorstand und die Führungskräfte, die menschlich schwierige Entscheidungen treffen und umsetzen müssen, aber auch für die Kapitalgeber, die diese letztendlich finan- zieren. Umso wichtiger ist es, dass alle Marktteilnehmer unter gleichen Rahmenbedingungen agieren können und der erforderliche Anpassungsprozess nicht durch politisch zuweilen opportune, in einer Marktwirtschaft aber proble- VerehrteAktionärinnenundAktionäre, sehrgeehrteDamenundHerren, 4 5 10 15 20 25 Briefe Vorwort desVorstands Lagebericht
