
Technologien wie Sensorik, Visualisierung und nicht zuletzt der Einsatz neuer Werkstoffe werden die Zukunft der Robotik bestimmen. Für die Medizinrobotik gilt das ganz besonders. Der Leichtbauroboter wurde dafür konzipiert, näher an den Menschen heranzurücken. Er ist feinfühlig, tastet sich an Objekte heran, lässt sich vom Menschen sanft beiseite schieben, weicht selbstständig vor ihnen zurück, wenn sie ihn berühren. Er ist extrem beweglich, lernt, indem er sich führen lässt und ist umgekehrt in der Lage, den Menschen bei kom- plexen Bewegungsabläufen zu führen. Deshalb könnte er zum Beispiel physiotherapeutische Aufgaben in der Rehabilitation übernehmen – eine Anwendung, die wir gemeinsam mit der RWTH Aachen und dem Universitätsklinikum Aachen erforschen. Wo liegen die größten hürden auf dem Weg vom forschungs- projekt zum marktreifen Produkt? liEPErt: Bei der Medizintechnik handelt es sich um die Champions League der Automation. Die Einstiegsvorausset- zungen sind enorm hoch, kaum eine andere Branche stellt so hohe Ansprüche an Qualität, Zuverlässigkeit, Genauigkeit und Sicherheit. Hier darf es keine Kompromisse geben – und das völlig zu Recht: Schließlich hängen Gesundheit und Leben davon ab. Aus der Lebensmittel- und Pharmaindustrie ist KUKA mit höchsten Hygienestandards bestens vertraut. Außerdem sind wir der einzige Hersteller weltweit mit einer kompletten Linie von Reinraumrobotern. Wer die Anforderungen der Auto- mobilindustrie an Qualitätsmanagement kennt, weiß, dass wir auch hier bestens aufgestellt sind. Um die langwierigen und aufwändigen Zulassungsverfahren unserer medizintech- nischen Lösungen zu beschleunigen, streben wir für 2011 die Zertifizierung nach dem Branchenstandard ISO 13485 an. dr. koEPPE: Für eine erfolgreiche Verbreitung der roboter- gestützen Medizintechnik in der Chirurgie ist es notwendig die Robotertechnik transparent für den Chirurgen zu gestalten. Der Roboter muss hinsichtlich Funktion und Sicherheit perfekt in das OP Szenario als Mitglied des OP Teams integriert werden. Hier sind wir gefordert und müssen die Chirurgen durch den praktischen Nachweis überzeugen. Eine spannende Aufgabe wenn man bedenkt, dass der Chirurg der den Roboter steuert damit eine zitterfreie, hochpräzise Hand und ein mikroskopisch, scharf sehendes Auge bekommt und selbst lange Operations- zeiten konzentriert arbeiten kann. Neue Operationsverfahren der minimal-invasiven, schonenden Chirurgie, die nur sehr kleine Schnitte im Körper erfordern, können unter den bereits erwähnten Voraussetzungen durch die Robotik wesentlich ver- einfacht oder auch erst möglich werden. Statt der händischen Führung, steuert der Chirurg seine Instrumente mit Hilfe der Roboter. Die dazu notwendigen Technikkomponenten der Fein- fühligkeit und Telepräsenz entwickeln wir in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Worin liegt denn der größte nutzen aus ihrer sicht? liEPErt: Mit wachsendem Wohlstand steigen nicht nur die Ansprüche an medizinisch-technische Standards, sondern auch die Demografie stellt uns vor Herausforderungen. Menschen leben immer länger und weil immer weniger geboren werden, werden auf absehbare Zeit Fachkräfte für die Pflege älterer Generationen fehlen. Roboter wären ein Weg, um dieses Problem zumindest teilweise zu lösen. Zurück zur – modifizierten – ausgangsfrage: Werden roboter irgendwann in krankenhäusern, Pflegeheimen und Privat- haushalten zum alltag gehören? liEPErt: Ja, weil intelligente Roboter Leben retten und uns in vielerlei Hinsicht unterstützen und entlasten können. Kom- biniert mit mobilen Plattformen wie dem Omnirob markiert der Leichtbauroboter einen Meilenstein auf dem Weg zur Servicerobotik. Schon heute arbeiten wir an Anwendungen wie Hol- und Bringdiensten. Bis der Roboter als Haushalts- hilfe oder Pflegekraft taugt, wird noch einige Zeit vergehen. KUKA hat die besten Voraussetzungen dafür, die technischen Herausforderungen zu lösen und bei dieser Entwicklung ganz vorne dabei zu sein. oben: Flexible Röntgen- C-Bogen Positionierung in der interventionellen Radiologie 25WachstUMsPotEnZial\MEdiZintEchnik