
Nachruf I 7 Nachruf Im anhaltinischen Bördedorf Klein Wanzleben im Hause seines Großvaters Ernst Giesecke geboren, erfüllte Carl-Ernst Büchting bereitwillig die berulichen Erwartun- gen seiner Familie. So studierte er in Vorbereitung auf künftige Aufgaben im Unternehmen nach dem Abitur in Berlin Zuckertechnologie und promovierte zum Dr. agr., während er sich von einer Kriegsverwundung erholte. Nach Klein Wanzleben kehrte Carl-Ernst Büchting im Juni 1945 genau an dem Tag zurück, als die britischen Truppen die Verlegung großer Teile des Familienunter- nehmens nach Einbeck veranlassten. Kaum dort angekommen, widmete sich der junge Unter- nehmer tatkräftig und zielstrebig dem Neuaufbau des Geschäftes – konsequent seinem Lebensmotto folgend: „Man muss aus jedem Hindernis ein Sprungbrett machen.“ Zusammen mit seinem Vater Karl Büchting und seinem Schwiegervater Oscar Rabbethge führte Carl-Ernst Büchting das Unternehmen aus kleinsten Anfängen zurück in die Spit- zengruppe internationaler Planzenzüchtungsunternehmen. Fast 50 Jahre lang – von 1945 bis 1993 – steuerte Carl-Ernst Büchting als Vorstandsvorsitzender und Auf- sichtsratsvorsitzender maßgeblich die Entwicklung des Unternehmens. Ihm verdanken wir die schnelle Expansion unserer internationalen Geschäftstätigkeit, insbesondere auf den angloamerikanischen Märkten. Dabei verkörperte er zeitlebens den wertorientierten Unternehmertypus alter Schule, der klar die großen Linien der Unternehmensstrate- gie vorgab und gleichzeitig die Interessen und Belange der stetig wachsenden Mitarbeiterschar im Blick behielt. So wurde beispielsweise unter seiner Führung schon 1961 die gesetzliche Altersversorgung der KWS Mitarbeiter durch eine betriebseigene Rente ergänzt. Die Branche der Planzenzüchter verdankt seiner Schaf- fenskraft und seinem persönlichen Engagement, dass schon vor 50 Jahren ein internationaler Rechtsschutz für neue Planzensorten in Kraft trat. Nahtlos in die Familien- tradition fügte sich auch Carl-Ernst Büchtings Einsatz für die Vernetzung von Wissenschaft und züchterischer Praxis. So stieß er als förderndes Mitglied der Max-Planck- Gesellschaft und Vorsitzender des Kuratoriums des Max-Planck-Instituts für Züchtungsforschung so manche Kooperation zwischen Grundlagenforschung und anwen- dungsorientierter Planzenzüchtung an. Darüber hinaus war er als langjähriger Vorsitzender der Gemeinschaft zur Förderung der privaten deutschen Planzenzüchtung (GFP) mitverantwortlich für die Schaffung einer branchenspezi- ischen Forschungsgemeinschaft, durch die ein enger Kontakt zu Universitäten und Ressortforschungseinrich- tungen etabliert wurde. Für sein vielfältiges Wirken, sein Lebenswerk innerhalb und außerhalb der KWS, hat Carl-Ernst Büchting zahlreiche Ehrungen und Anerkennungen erhalten. Davon hat ihn eine ganz besonders berührt: 1995 ernannte ihn die Gemeinde Klein Wanzleben zum Ehrenbürger. Es war der Dank dafür, dass er das Zuckerdorf nach der von ihm als großes Glück empfundenen Wiedervereinigung mit Rat und Tat durch den schwierigen Prozess des Wandels begleitet hatte. Die von Carl-Ernst Büchting gegründete und nach seinen Eltern Annemarie und Karl Büchting benannte AKB-Stiftung fördert seit vielen Jahren soziale, kirchliche und kulturelle Einrichtungen und Projekte vorwiegend in Klein Wanzleben und seiner zweiten Heimat Einbeck. Carl-Ernst Büchting war mit ganzem Herzen Unternehmer und verantwortungsvoller Weltbürger. Er hat die KWS im hohen Maße gestaltet und geprägt. Am 1. Mai 2010 verstarb in seinem 95. Lebensjahr der Ehrenvorsitzende unseres Aufsichtsrats, Dr. Carl-Ernst Büchting. Dankbar und mit großem Respekt behalten wir die herausragende Persönlichkeit der fünften Unternehmergeneration unserer Gründerfamilien Rabbethge und Giesecke in Erinnerung.