Report-Investor: Leoni AG - Geschäftsbericht 2009

die mehr als 90-jährige Geschichte von LEONI war bisher geprägt von stetigem Wachstum und nachhaltiger Profitabilität. Mit dem Geschäftsjahr 2009 erfährt diese Erfolgsgeschichte eine abrupte und dramatische Unterbrechung. Ausgelöst durch die Finanz- und Wirtschaftskrise kam es bei LEONI – wie bei vielen anderen Unternehmen – seit dem vierten Quartal 2008 zu noch nie dagewesenen Nachfragerückgängen. Zunächst in der Automobilindustrie, unserem wichtigsten Markt, gefolgt von nahezu allen Branchen, in denen LEONI aktiv ist, brach das Geschäftsvolumen teilweise um mehr als 40 Prozent ein. Auf diese veränderte Situation haben wir schnell und konsequent mit einem umfassenden Programm zur Kapazitätsanpassung und Kostensenkung reagiert. Innerhalb von nur sechs Monaten wurde die Zahl der Mitarbeiter ausgehend von einem Höchststand vor Krisenbeginn von fast 54.000 Arbeitnehmern weltweit bis Ende April 2009 um rund 9.000 Beschäftigte reduziert. Dies geschah vorwiegend an unseren ausländischen Produktionsstandorten im Niedriglohnbereich, aber in gewissem Umfang auch in Deutschland und anderen Hochlohnländern. Um den Arbeitsplatzabbau möglichst gering zu halten, wurden an vielen Standorten sowohl das Instrument der Kurzarbeit als auch andere Maßnahmen zur Reduzierung der Personalkosten intensiv genutzt. Einen wesentlichen Beitrag zur Kürzung unserer Ausgaben erzielten wir im Berichtsjahr zudem bei den Sach- und sonstigen Kosten: Insgesamt wurde ein Kostensenkungsprogramm von mehr als 200 Mio. € umgesetzt, dessen Auswirkung ab Mai 2009 bei den Ergebnissen sichtbar wurde. Trotz des deutlichen und nachhaltigen Umsatzrückgangs konnte LEONI damit im zweiten Halbjahr wieder ein positives operatives Ergebnis vor Sondereffekten erwirtschaften. Für das Gesamtjahr 2009 musste LEONI auf EBIT-Ebene dennoch einen Verlust von 116,3 Mio. € ausweisen. Bereinigt man dieses Ergebnis um Restrukturierungsaufwendungen, Wertminderungen langfristiger Vermögenswerte und Effekte aus der Neubewertung im Rahmen der Kaufpreisverteilung wesentlicher Akquisitionen, verbleibt ein bereinig- ter operativer Verlust von 35,6 Mio. €, der ausschließlich im ersten Halbjahr aufgelaufen ist. Insgesamt ergab sich 2009 ein Jahresfehlbetrag nach Steuern von 138,1 Mio. €, der auch zu einer deutlichen Reduzierung des Eigenkapitals führte. Aus diesem Grund werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung vorschlagen, für 2009 auf eine Dividendenzahlung zu verzichten. Neben der schnellen Kapazitätsanpassung und Kostensenkung war 2009 die Sicherstellung eines möglichst posi- tiven Free-Cashflows unser wichtigstes Ziel. Aufgrund des schlagartigen Rückgangs der Einnahmen mussten weitere liquiditätssichernde Maßnahmen eingeleitet und umgesetzt werden. Das ursprüngliche Investitionsbudget wurde deutlich reduziert und das im Umlaufvermögen gebundene Kapital durch ein umfassendes Programm an Prozess- verbesserungsmaßnahmen nachhaltig verringert. Zusätzlich entschied sich der Vorstand, die Ende 2008 zurückerworbenen eigenen Aktien in einem beschleunig- ten Bookbuilding-Verfahren außerbörslich zu verkaufen. Wesentlicher Grund für diesen Beschluss war die Tatsache, dass LEONI aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage nicht davon ausging, die eigenen Aktien in nächster Zeit als Akquisitionswährung einsetzen zu können. Durch all diese Maßnahmen konnten wir 2009 trotz des hohen Jahresverlustes in der Summe freie Liquidität von circa 38 Mio. € generieren und damit die Nettoverschuldung des Konzerns auf 495,4 Mio. € reduzieren. LEONI hat in diesem sicher schwierigsten Jahr der Unternehmensgeschichte schnell, konsequent und erfolgreich eine Vielzahl von wichtigen Maßnahmen umgesetzt, das Unternehmen damit stabilisiert und auf eine derzeit in der Dauer noch nicht abschätzbare Zeit mit geringeren Umsätzen ausgerichtet. Trotz des hohen Fehlbetrags danke ich an dieser Stelle allen Führungskräften und Mitarbeitern des Konzerns für ihren besonderen Einsatz und ihr Engagement zur Bewältigung der Krisensituation.

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