82 Prognosebericht Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen Die Mehrzahl der Konjunkturforschungsinstitute geht davon aus, dass die Weltwirtschaftskrise teilweise überwun- den ist. Das globale Finanzsystem scheint stabilisiert. Vor allem Dank staatlicher Konjunkturprogramme wurden die Auswirkungen der Krise in den Industrieländern abgefedert. Die Erholung kam schneller in Schwung als erwartet, sodass der IWF seine Prognosen für das weltweite Wirtschaftswachstum 2010 Mitte Januar deutlich von 3,1 auf 3,9 Prozent anhob. Nach wie vor sieht der Währungsfonds dabei aber große Risiken, da der globale Aufschwung noch nicht selbsttragend ist, sondern stark von den Stützungsaktionen der Notenbanken und der Regierungen abhängt. Für die Eurozone wurden die Erwartungen ebenfalls erheblich nach oben korrigiert – von 0,3 Prozent auf 1,0 Prozent Zuwachs. In Deutschland rechnet der IWF nun mit einer BIP-Steigerung um 1,5 Prozent, in Mittel- und Osteuropa mit 2,0 Prozent, in den USA mit 2,7 Prozent und in Russland mit 3,6 Prozent. Brasilien soll den Prognosen des IWF zu- folge um 4,7 Prozent zulegen können. Spitzenreiter beim Wirtschaftswachstum bleiben Indien und China mit Steigerungsraten von voraussichtlich 7,7 und 10 Prozent. Branchenkonjunktur Der weltweite Automobilmarkt wird 2010 nach Schätzungen des VDA leicht wachsen. Hierzu sollten die Erholung des US-Marktes und vor allem die anhaltend gute Nachfrage in Asien beitragen. Dagegen ist in Westeuropa und insbe- sondere in Deutschland wegen der auslaufenden Förderprogramme von deutlichen Absatzrückgängen auszugehen. Die Automobilproduktion wird im laufenden Jahr Prognosen des PwC Automotive Institute zufolge weltweit um rund 6 Millionen auf etwa 63 Millionen Fahrzeuge zulegen. Dabei dürften sich die Stückzahlen in der Europäischen Union nicht erhöhen. Im Gegensatz dazu wird in den USA und in Osteuropa mit einer kräftigen Erholung und Zuwächsen von 22 bzw. 32 Prozent gerechnet. In der Region Asien-Pazifik und in Südamerika erwartet das Forschungsinstitut ein Produktionsplus um 10 bis 12 Prozent. Für die deutsche Nutzfahrzeugindustrie zeichnete sich Ende 2009 endlich auch eine Stabilisierung ab. Nachdem die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland im Dezember zulegten, hofft der VDA 2010 auf eine leichte Belebung des Geschäfts. Der Maschinen- und Anlagenbau ging mit sehr gedämpften Erwartungen in das laufende Jahr: Der Branchenverband VDMA glaubt nicht, dass seine Mitgliedsunternehmen die Krise bereits überwunden haben, und pro- gnostiziert 2010 ein Produktionsvolumen auf Vorjahresniveau. In der Elektroindustrie ist dagegen laut ZVEI ein kleines Produktionsplus um 3 bis 4 Prozent möglich. Dabei rechnen sowohl die Hersteller von Hausgeräten als auch die Investitionsgüterbereiche damit, ausgehend vom niedrigen Vorjahresniveau leicht zu wachsen. Der ITK-Markt wird sich 2010 nach Schätzungen des Branchenverbands BITKOM in Europa stabilisieren und in den Schwellenländern, insbesondere in Indien und China, kräftig zulegen. Die Solarindustrie geht davon aus, im laufenden Jahr weiter zu expandieren und von einem regelrechten Solarboom in China und den USA zu profitieren. Auch für die Hersteller von Windenergieanlagen sind die Aussichten günstig: Der BWE rechnet weltweit mit einem Marktwachstum im zwei- stelligen Bereich. 1,0 2,0 3,6 2,7 4,7 7,7 10,0 Zuwachs Bruttoinlandsprodukt 2010 [ % ] Eurozone Mittel- und Osteuropa Russland USA Brasilien Indien China Quelle:InternationalerWährungsfonds (Schätzung) Differenz 0,07 Mittlerer Osten und Afrika 0,08 EU 0,36 Südamerika 0,55 Osteuropa 1,90 Nordamerika 3,20 Asien-Pazifik 2008 2009 2010 66,0 56,9 6,1 63,0 Weltweite Pkw-Produktion nach Regionen [ Mio. ] Quelle: PwC Automotive Institute (Schätzung)
