Report-Investor: Linde AG - Geschäftsbericht - 2- 2009

Gaseindustrie Auch auf dem traditionell eher stabilen Industriegasemarkt waren die Folgen des weltweiten Konjunkturabschwungs 2009 zu spü- ren. Aufgrund der breit gefächerten Branchenstruktur waren die Auswirkungen jedoch weniger tiefgreifend als bei der globalen Industrieproduktion. Wie im Jahr 2008 stellten Nordamerika und Europa wieder die größten Absatzmärkte dar, danach folgte Asien. Hinsichtlich des Ausmaßes sowie des zeitlichen Verlaufs der Wirtschaftskrise gab es regionale Unterschiede: Während beispielsweise in Nordame- rika bereits im zweiten Halbjahr 2008 eine deutliche Abschwä- chung der Konjunktur eingesetzt hatte, wurde Europa erst spä- ter davon erfasst. Die Geschäftsentwicklung im internationalen Industriegase- bereich wird jedoch nicht allein durch die regionalen gesamt- wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflusst, sondern insbesondere von der Situation in den relevanten Abnehmer- industrien. Die Stahlindustrie hatte im ersten Halbjahr 2009 einen deut- lichen Produktionsrückgang zu verzeichnen, bevor im zweiten Halbjahr eine Erholung einsetzte. Auf das ganze Jahr 2009 bezo- gen, lag die weltweite Produktion um rund 10 Prozent unter dem Wert von 2008. Dabei waren regional große Unterschiede zu beobachten. Während die Stahlproduktion in den USA und in Europa um 36 Prozent beziehungsweise 30 Prozent einbrach, konnten China und Indien ihr Niveau im Vergleich zum Vorjahr weiter steigern, China sogar um 13,5 Prozent. Mittlerweile wird beinahe jede zweite Tonne Stahl in China produziert. Im Chemiesektor war die Produktion bereits zum Jahresende 2008 deutlich rückläufig. Dieser Trend setzte sich auch im Jahr 2009 weiter fort, wobei die weltweite Produktion im ersten Halbjahr um mehr als 10 Prozent sank. Dabei waren in Europa und Nordamerika noch stärkere Rückgänge zu verzeichnen als in Asien, dessen Bedeutung auch für die Chemieindustrie stei- gen wird. Im weiteren Jahresverlauf besserte sich die Nachfrage insgesamt, das Niveau aus dem Vorjahr konnte jedoch nicht erreicht werden. In der Öl- und Erdgasindustrie waren die Auswirkungen der Krise bereits im Jahr 2008 zu spüren, als der Rohölpreis auf einen Tiefststand von 40 USD je Barrel fiel. Bis zum Jahresende 2009 stieg der Rohölpreis dann wieder und erreichte ein Niveau von 60–70 USD je Barrel. Unter Berücksichtigung der gesamt- wirtschaftlichen Lage und der zusätzlichen Raffineriekapazitä- ten, die zuletzt vor allem in Asien aufgebaut wurden, ist damit zu rechnen, dass einige Raffineriebetreiber ihre Produktions- kapazitäten bis zu einer breiten Markterholung herunterfahren werden. Im Berichtszeitraum war die verarbeitende Industrie ein Spie- gelbild der allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Traditionelle Branchen wie die Automobilindustrie hatten in den reifen Volkswirtschaften einen Auftragsrückgang zu ver- zeichnen, der durch die Nachfrage in den aufstrebenden Märk- ten sowie durch staatliche Konjunkturprogramme nur teilweise abgefedert werden konnte. Unternehmen aus der Energieerzeu- gung profitierten hingegen von Infrastrukturinvestitionen oder Effizienzverbesserungen. Vor dem Hintergrund des Klimawandels hat der Bereich der erneuerbaren Energien weiter an Bedeutung gewonnen. So ist im Berichtsjahr 2009 etwa der Markt für Solarenergie weltweit um 35 Prozent gewachsen. Dank veränderter staatlicher Leitli- nien hat sich diese Industrie zu einem echten Weltmarkt entwi- ckelt. Für den Industriegasemarkt bedeutet dies eine weiterhin hohe Nachfrage nach hochreinen Spezial- und Flüssiggasen. Das Geschäft der Halbleiterindustrie wurde durch die Kon- junkturkrise stark beeinträchtigt. Besonders tiefgreifend ist der Einbruch in der Speicherbranche ausgefallen, hier kam es zu Unternehmensschließungen und Konsolidierungen. Erst im zwei- ten Halbjahr 2009 zeigten sich erste Signale einer leichten Erho- lung, besonders in Asien. Die Lebensmittel- und Getränkeindustrie zeigte sich im Be- richtsjahr krisenresistent. Es kam zwar zu Verschiebungen zwi- schen einzelnen Produktsegmenten; der Gesamtabsatz blieb hin- gegen weitgehend konstant. Die Veränderungen im Verhalten der Verbraucher, die vermehrt zu so genannten Convenience- Lebensmitteln (vorportionierte Fertiggerichte etc.) greifen, wirk- ten sich positiv auf das Geschäft mit Gasen für die Lebensmit- telindustrie aus. Der Healthcare-Bereich, also der Markt für medizinische Gase, erwies sich auch im Jahr 2009 als robust. Die Wachstums- raten fielen lediglich etwas geringer aus als in den Vorjahren. Die Hauptursachen für das anhaltend stabile Marktumfeld liegen in der demografischen Entwicklung – in vielen Staaten werden immer mehr Menschen immer älter – und im Anstieg chronischer Erkrankungen, die mehr und mehr außerhalb des klinischen Umfelds behandelt werden können. Darüber hinaus haben sich innovative Therapien und der bessere Zugang der Patienten zu diesen Behandlungsformen positiv auf das Healthcare-Geschäft ausgewirkt. Allerdings herrscht – im Zuge von Gesundheitsrefor- men in zahlreichen Ländern – in nahezu allen Märkten ein hoher Preisdruck. Anlagenbau Als Folge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise haben im Berichtsjahr 2009 viele Industriezweige wie etwa die Öl-, Gas-, Chemie-, Petrochemie-, Stahl-, Elektro- und Automobilindustrie deutliche Einbrüche erlitten. Zudem führte der rasante Verfall des Ölpreises innerhalb von wenigen Monaten dazu, dass viele Kun- den ihre mittel- und längerfristigen Investitionspläne revidier- ten. Einige Öl und Erdgas produzierende Staaten hatten ihre Bud- gets für Investitionen in Neuanlagen auf Ölpreisen aufgebaut, die deutlich über dem tatsächlichen Niveau lagen. In der Folge wur- den eine Reihe von Projekten verschoben. Branchenspezifische Rahmenbedingungen 042 Linde Finanzbericht 2009 WEITEREANGABENKONZERNANHANGKONZERNABSCHLUSSKonzernlAGeberiCHtDIEAKTIECORPORATEGOVERNANCEDERAUFSICHTSRATDERVORSTAND KONZERNLAGEBERICHT – Branchenspezifische Rahmenbedingungen

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