Report-Investor: Linde AG - Geschäftsbericht - 2- 2009

tive Verfahren entscheidende Kostenvorteile für den industri- ellen Wasserkreislauf. Deutlich geringere Investitionskosten machen AXENIS™ zu einer interessanten Option für Unterneh- men, die keine neue Aufbereitungsanlage bauen, sondern eine bereits vorhandene umrüsten wollen. Darüber hinaus benötigt die neue Technologie erheblich weniger Energie als Systeme, die ausschließlich mit Luft arbeiten. Und schließlich können die Kunden die Abwässer direkt vor Ort aufbereiten und so zusätzli- che Kosten für die vorschriftsmäßige Entsorgung und Reinigung durch Fremdfirmen vermeiden. Durch strengere Umweltauflagen und erhöhten Wettbewerbs- druck sind Metallhersteller und -verarbeiter gefordert, ihre Leis- tungsrate zu verbessern, den Brennstoffverbrauch zu drosseln und die Emission von Gasen wie CO2 und NOX zu senken. Ein geeignetes Verfahren, um diese Ziele zu erreichen, ist die Oxyfuel-Verbrennungstechnologie – seit Jahren einer der F & E-Schwerpunkte von Linde. Die Nutzung von Sauerstoff anstelle von Luft vermeidet dabei den Stickstoffballast im Ver- brennungs- oder Erhitzungsvorgang, erhöht die Energieeffizienz und reduziert die umweltschädlichen CO2- und NOX-Emissionen deutlich. Dieses markenrechtlich geschützte Niedrigtempera- tur-Oxyfuel-Verfahren erleichtert darüber hinaus das Recyc- ling und Wiedereinschmelzen von Metall und ist damit unter anderem für Aluminiumschmelzen von besonderem Interesse. In der Regel werden mit dieser Technologie Leistungssteige- rungen von 30–50 Prozent erzielt und gleichmäßige Ofentem- peraturen erreicht. Durch die im Vergleich zu herkömmlichen Oxyfuel-Anlagen deutlich niedrigere Brenner- bzw. Ofentem- peratur werden die Risiken einer Oxidation durch Überhitzung der Aluminiumoberfläche erheblich gemindert. Zudem sind der Brennstoffverbrauch und die Emissionsraten jeweils um bis zu 50 Prozent rückläufig. Im vergangenen Jahr hat Linde mit der schwedischen Stena Aluminium, einem führenden Hersteller von recyceltem Aluminium, einen Vertrag zur Installation einer Niedrigtemperatur-Oxyfuel-Anlage geschlossen. Diese Techno- logie wird bereits erfolgreich in vier Werken eingesetzt, unter anderem bei Hydro in Norwegen und SAPA in Schweden. Hier konnte die Produktionskapazität um bis zu 60 Prozent gestei- gert werden. Wasserstoff­Technologie Als weltweit größter Hersteller von Wasserstoff-Anlagen verfügt Linde über die gesamte Technologiepalette, die für eine funktio- nierende Wasserstoff-Wertschöpfungskette benötigt wird – von der Erzeugung bis zur Betankung. Wir treiben die Weiterentwick- lung der Wasserstoff-Technologie und den Aufbau einer Infrastruk- tur für den automobilen Bereich seit Jahren gezielt voran. Wir sind insbesondere bestrebt, unsere Technologiepalette um nachhaltige Produktionsverfahren zu erweitern und den Anteil des nachhal- tig erzeugten Wasserstoffs langfristig deutlich zu erhöhen. Linde hat unter anderem ein innovatives Verfahren entwickelt, um Was- serstoff aus biogenen Rohstoffen herzustellen. Nach intensiven Laborarbeiten errichten wir derzeit eine Demonstrationsanlage am Chemiestandort Leuna, die Mitte 2010 in Betrieb gehen soll. Die Anlage zur Aufbereitung, Pyrolyse und Reformierung von Roh- glycerin produziert dann ein wasserstoffreiches Gas, das zur Rei- nigung und Verflüssigung in eine der vor Ort bestehenden Was- serstoff-Anlagen eingespeist wird. Dieser so genannte „grüne“ Flüssigwasserstoff soll zunächst in den deutschen Wasserstoff- zentren Berlin und Hamburg als emissionsfreier Treibstoff zum Einsatz kommen. Aufgrund seines hohen Wasserstoffgehalts ist Rohglycerin, das bei der Biodieselerzeugung als Nebenprodukt anfällt, für die Herstellung von Wasserstoff besonders geeignet. Biogen her- gestelltes Glycerin steht dabei nicht in Konkurrenz zur Produk- tion von Lebensmitteln, ist leicht zu transportieren und ganz- jährig verfügbar. Es bietet die Möglichkeit für eine nachhaltige und zugleich wirtschaftliche Wasserstoff-Produktion. Mit diesem innovativen und geschützten Verfahren ist Linde ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer emissionsarmen Ener- gieversorgung mit Wasserstoff gelungen. Mit dem Ziel einer regenerativen Wasserstofferzeugung haben wir darüber hinaus die Arbeiten an dem thermischen BTH- Verfahren (BTH=Biomass to Hydrogen) fortgeführt. Eine entspre- chende Pilotanlage, die Wasserstoff aus Biomasseabfall erzeugt, soll ebenfalls in diesem Jahr ihren Betrieb aufnehmen. Der Aufbau der Wasserstoff-Infrastruktur schreitet weiter voran. So wurde im Juni 2009 die erste öffentliche Wasserstoff- Tankstelle Baden-Württembergs am Flughafen Stuttgart eröffnet. In diesem vom Land Baden-Württemberg geförderten Koopera- tionsprojekt von OMV, Daimler und Linde sind die neuesten For- schungsergebnisse auf dem Gebiet der H2-Betankungstechnik umgesetzt worden. Die Tankstelle verfügt über die derzeit leis- tungsfähigste Version der von Linde entwickelten Ionen-Kom- pressor-Technologie, die eine Betankung von Brennstoffzellen- Pkw und -Bussen mit 350 bar oder 700 bar Druckwasserstoff innerhalb weniger Minuten ermöglicht. Den entsprechenden gasförmigen Wasserstoff liefert ebenfalls Linde. Auch bei den mechanischen Kolbenkompressoren haben wir im vergangenen Geschäftsjahr wesentliche Fortschritte in der Wasserstoff-Betankungstechnik erzielt. Lindes neuer Kryokom- pressor ermöglicht eine direkte Verdichtung des verflüssigten Wasserstoffs, durch dessen niedrige Temperatur von –253°C auf eine aktive Kühlung der Anlage verzichtet werden kann. Mit die- sem energieeffizienten Verfahren und einer weitestmöglichen Reduzierung der beweglichen Teile bietet der neue Kompres- sortyp eine hohe Zuverlässigkeit bei vergleichsweise niedrigen Betriebs- und Wartungskosten. Nach erfolgreichen Leistungs- tests ist diese Technologie bei der Ausrüstung neuer H2-Tank- stellen vorgesehen. 069Linde Finanzbericht 2009 KONZERNLAGEBERICHT – Forschung und Entwicklung WEITEREANGABENKONZERNANHANGKONZERNABSCHLUSSKonzernlAGeberiCHtDIEAKTIECORPORATEGOVERNANCEDERAUFSICHTSRATDERVORSTAND

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