Finanzielle Risiken Die grundlegenden Risikostrategien für das Zins-, Währungs- und Liquiditätsmanagement sowie die Ziele und Grundlagen der Finanzierungen werden vom Treasury-Komitee unter Leitung des für Finanzen zuständigen Vorstandsmitglieds festgelegt. Dieses Gremium trifft sich in der Regel einmal im Monat und setzt sich aus Vertretern der Bereiche Treasury und Accounting/Reporting zusammen. Als weltweit agierender Konzern ist die Linde Group einer Reihe finanzieller Risiken ausgesetzt. Hierzu zählen insbeson- dere Adressausfallrisiken, Liquiditätsrisiken sowie Risiken, die aus einer Veränderung der Zinsen und Währungskurse resul- tieren. Basis für die Steuerung des Adressausfallrisikos ist das Rating der jeweiligen Kontrahenten. Zusätzlich wird die Entwick- lung weiterer relevanter Kapitalmarktparameter beobachtet, wie z.B. die Veränderung der credit default swaps oder des Börsen- werts der Kontrahenten. Wir begrenzen die Höhe und die Lauf- zeit von abzuschließenden Handelsgeschäften entsprechend. Die Einhaltung aller Limite wird regelmäßig von einer vom Han- del unabhängigen Instanz überprüft. Im Geschäftsjahr 2009 wur- den aufgrund der Finanzmarktkrise Umschichtungen zwischen Adressen vorgenommen, um das Risiko des durch den Ausfall eines Kontrahenten entstehenden Schadens zu reduzieren. Auch vor dem Beginn der Finanzmarktkrise gehörte die Steu- erung des Liquiditätsrisikos zu einer der wichtigsten Aufgaben im Bereich Treasury. Linde verfolgt seit Jahren eine konservative und vorausschauende Politik der Liquiditätssicherung und hatte auch im Geschäftsjahr 2009 unverändert Zugang zu den Kapi- talmärkten. Darüber hinaus haben wir die Sicherheit einer gro- ßen, internationalen Bankengruppe, die uns mit einem zugesag- ten und ungenutzten Finanzierungsrahmen zur Seite steht. Die Laufzeit des Finanzierungsrahmens bei Banken wurde zudem im Geschäftsjahr durch eine so genannte Forward-Start-Kreditfazili- tät bis März 2013 weiter verlängert. Das Zinsrisiko tritt durch marktbedingte Schwankungen der Zinssätze auf. Sie wirken sich zum einen auf die Höhe der Zins- aufwendungen in der Linde Group aus, zum anderen beeinflussen sie den Marktwert von Finanzinstrumenten. Das Konzern-Treasury hat auf Basis des operativen Geschäftsmodells und mit Hilfe von Sensitivitäts- und Szenarioanalysen Bandbreiten für die Fix-Floa- ting-Quote der Finanzverbindlichkeiten in den Hauptwährungen Euro (EUR), Britisches Pfund (GBP), US-Dollar (USD) und Australi- scher Dollar (AUD) festgelegt. Innerhalb der vereinbarten Band- breiten steuert das Konzern-Treasury die Quoten und berichtet regelmäßig dem Treasury-Komitee über umgesetzte Maßnahmen. Bei den Währungskursrisiken ist zwischen den operativen Transaktionsrisiken, die unter anderem aus Lieferverträgen zwi- schen verschiedenen Währungsgebieten für einzelne Projekte resultieren, und den Translationsrisiken, die sich aus der Wäh- rungsumrechnung für einzelne Gesellschaften zu verschiedenen Stichtagen ergeben, zu unterscheiden. Im Treasury wird das Prinzip der Funktionstrennung zwischen Front-, Middle- und Back-Office im gesamten Prozess des Risi- komanagements konsequent eingehalten und überwacht. Dies bedeutet, dass der Abschluss, die Abwicklung und die Kontrolle von Handelsgeschäften strikt personell und organisatorisch von- einander getrennt sind. Zur Durchführung, Abbildung und Bewer- tung von Handelsgeschäften setzen wir ein Treasury-Manage- ment-System ein, das regelmäßig intern und extern – in der Regel einmal pro Jahr – geprüft wird. Die Basis für Finanzierungs- und Absicherungsentscheidun- gen stellen die Finanzinformationen dar, die wir aus dem Trea- sury-Management-System und unserer Finanz- und Liquiditäts- planung erhalten, die in das allgemeine finanzwirtschaftliche Reporting eingebettet ist, das u.a. auch in den Bereichen Cont- rolling und Accounting/Reporting genutzt wird. Finanzierungsaktivitäten außerhalb der jeweiligen Landes- währung führen automatisch zu Zahlungsströmen in Fremdwäh- rung. Die einzelnen Unternehmenseinheiten sind nach unserer Konzernrichtlinie verpflichtet, die daraus resultierenden Trans- aktionsrisiken selbst zu überwachen und mit dem Konzern-Trea- sury entsprechende Sicherungsgeschäfte im Rahmen von vorge- gebenen Mindestsicherungsquoten abzuschließen, sofern nicht sonstige Gründe gegen interne Sicherungen sprechen. Im Rahmen der Risikostrategien des Treasury-Komitees wer- den Sicherungsentscheidungen getroffen. Dabei setzen wir Devi- sentermingeschäfte, Währungsswaps (siehe Glossar), einfache Devisenoptionen und Fremdwährungskredite ein. Hauptwährun- gen sind US-Dollar (USD), Britisches Pfund (GBP), Australischer Dollar (AUD) und einige osteuropäische, südamerikanische sowie asiatische Währungen. Translationsrisiken werden in USD, GBP und AUD im Rahmen von genehmigten Bandbreiten abgesichert. Zusätzlich setzen wir in unserer Gases Division im Wesentlichen Instrumente zur Absicherung von Strompreis-, Erdgas- und Pro- pangasrisiken ein. Fremdwährungsrisiken im Projektgeschäft der Engineering Division reduzieren wir so weit wie möglich durch so genannte natürliche Absicherungen (Natural Hedges). Dies kann durch Zulieferungen und Serviceleistungen in der jeweiligen Auf- tragswährung geschehen. Darüber hinausgehende Fremdwäh- rungsbeträge werden sofort zum Zeitpunkt der Entstehung, in der Regel über Termingeschäfte, voll gesichert. Zinsrisiken werden ebenfalls zentral gesteuert. Wir analysie- ren mögliche Zinsrisiken, erheben die Zinsrisikoposition in den wichtigsten Währungen und führen Sensitivitätsanalysen durch. Im Rahmen der vom Treasury-Komitee festgelegten Bandbreiten für Absicherungsquoten schließt das Konzern-Treasury Handels- geschäfte mit Banken ab. Zinsrisiken werden durch langfristige Festzinsanleihen, Kredite und Zinsderivate abgesichert. Im Jahr 2009 waren durchschnittlich 38 Prozent des Konzern-Exposures variabel finanziert, zum Jahresende gut 52 Prozent. Zu weiteren Angaben siehe Ziffer [29] im Anhang zum Kon- zernabschluss. 084 Linde Finanzbericht 2009 KONZERNLAGEBERICHT – Risikobericht WEITEREANGABENKONZERNANHANGKONZERNABSCHLUSSKonzernlAGeberiCHtDIEAKTIECORPORATEGOVERNANCEDERAUFSICHTSRATDERVORSTAND
