PRAKTIKER KONZERN GEschäfTsbERIchT 2009 13 Verkaufsfläche hingegen hat weiterhin leicht zugenommen. Die Gesellschaft für Markt- und Betriebsanalyse (gemaba) ermittelte zum Jahresende nach vorläufigen Zahlen insge- samt 2.420 Baumärkte in Deutschland. Das entspricht einem Rückgang um 0,3 Prozent. In den letzten Jahren war hierbei zu beobachten, dass die Zahl der Baumärkte in den neu- en Bundesländern (ohne Berlin) überdurchschnittlich stark abnahm. 2008 lag der Rückgang dort mehr als dreimal so hoch wie im westlichen Bundesgebiet. Da neue Märkte in der Regel deutlich größer sind als alte, weil sie typischerwei- se ein Gartencenter und häufig auch gesonderte Bereiche für professionelle Großkunden enthalten, hat die gewichte- te Innen-Verkaufsfläche auch 2009 noch einmal leicht um 1,7 Prozent auf 12,65 Millionen Quadratmeter zugenom- men. Je nach Marktdefinition gehen andere Untersuchun- gen teilweise sogar von einer noch stärkeren Zunahme der verfügbaren Verkaufsfläche aus. Weil das Flächenwachstum wesentlich darauf beruht, dass Wettbewerber ihre Sortimente ausweiten (Gartenbe- darf) und gleichzeitig ihr Geschäftsmodell auf Firmenkun- den ausdehnen und damit eine Mischung von Groß- und Einzelhandel betreiben, sieht Praktiker darin auch keine Bedrohung für den eigenen wirtschaftlichen Erfolg. Denn Praktiker richtet sich in seinen Standorten und in seinem Warenangebot konsequent an den Bedürfnissen des Privat- kunden aus. international im sog der Rezession Außer in Polen ist in allen Auslandsmärkten, in denen Praktiker operativ tätig ist, der Konsum mit der gesam- ten Wirtschaftsleistung mehr oder weniger stark zurück gegangen. Das liegt zum Teil daran, dass in vielen Län- dern der Konsum ohnehin die Haupttriebkraft des starken Wachstums der vergangenen Jahre war, zum Teil auch da- ran, dass viele Konsumenten Kredite in Auslandswährung aufgenommen hatten. Die in Fremdwährung zu zahlenden Zinsen nahmen nach Abwertung der jeweiligen Landes- währung erheblich zu und absorbierten größere Teile der Kaufkraft als zuvor. Privater Konsum veränderung gegenüber vorjahr in % 2005 2006 2007 2008 2009 albanien 8,8 5,0 20,1 6,0 –1,1 bulgarien 6,1 9,5 5,3 4,8 –6,4 deutschland 0,3 1,3 –0,3 0,4 0,6 Griechenland 4,3 4,8 3,0 2,2 –1,6 luxemburg1 3,9 3,0 2,8 3,9 –0,3 Polen 2,1 5,0 4,9 5,4 2,4 Rumänien 9,4 11,4 10,2 8,4 –12,4 türkei 7,9 4,6 5,5 –0,1 –3,0 ukraine 19,3 15,4 17,0 10,0 –13,0 ungarn 3,6 1,9 –1,4 0,1 –6,4 Quelle: economist intelligence unit, 2009 schätzungen (stand: november 2009) 1 Oecd, 2009, schätzungen (stand: november 2009) Hinzu kam, dass die Arbeitslosigkeit in den meisten Län- dern rasch zunahm, was sich ebenfalls negativ auf die ver- fügbare Kaufkraft auswirkte und vor allem das Arbeitsplatz- risiko spürbar erhöhte. Entsprechend war in allen Ländern Osteuropas auch ein erheblicher Verfall der Indikatoren für das Geschäfts- und Konsumklima zu verzeichnen. In Grie- chenland, dem umsatzstärksten Land des internationalen Portfolios, trübte sich die Konsumstimmung gegen Jah- resende deutlich ein, weil der griechische Staat sich genö- tigt sah, zur Linderung seiner erheblichen Finanzierungs- schwierigkeiten eine Reihe von unpopulären Maßnahmen anzukündigen. Inwieweit die Nachfrage nach Baumarktartikeln in den einzelnen Ländern von der gesamtwirtschaftlichen Ent- wicklung betroffen war, ist schwer zu sagen, weil die ent- sprechenden Daten noch nicht vorliegen. Nach eigener Einschätzung ist aber anzunehmen, dass, mit Ausnahme von Polen und Albanien, alle DIY-Märkte rückläufig waren. Die stärksten Rückgänge dürfte es dabei in der Ukraine, in Ungarn, Rumänien und Bulgarien gegeben haben. In Grie- chenland und der Türkei dürften sie eher moderat ausgefal- len sein. Zwar ist vor allem in den Ländern Osteuropas der Bedarf an Renovierung und Modernisierung unverändert hoch. Doch mit dem Einbruch der verfügbaren Einkommen haben die Verbraucher auch diese Ausgaben vorüberge- hend eingeschränkt. Die Beobachtungen der Praktiker-Landesgesellschaften in den einzelnen Märkten legen die Vermutung nahe, dass Praktiker in Griechenland und Rumänien trotz der zu be- obachtenden rückläufigen Entwicklung des Gesamtmarkts Marktanteile gewonnen hat. In Polen und der Ukraine dürf- te das nicht der Fall sein, da dort Wettbewerber deutlich stärker expandiert haben. In allen anderen Ländern, so die ebenfalls nicht durch exakte Marktforschung gestützte Vermutung, hat sich der Marktanteil wohl nicht wesentlich verändert. Ein Grund hierfür liegt darin, dass dort nicht nur Prak- tiker sein Expansionstempo zurückgefahren hat. Auch die Wettbewerber haben ihre Expansionspläne zum Teil ver- schoben, zum Teil sogar ganz auf Eis gelegt. Erschwerte Finanzierungsbedingungen treffen Wettbewerber und Im- mobilienentwickler in gleichem Maße. Der eine oder an- dere lokale Konkurrent wurde im Verlauf des Jahres sogar zum Kauf angeboten. Die Wettbewerbssituation hat sich also verändert, ein Eintritt in die Länder Osteuropas er- scheint nicht mehr so attraktiv wie noch vor zwei oder drei Jahren. Für ein Unternehmen wie Praktiker, das bereits in den unterschiedlichen Märkten fest etabliert ist, muss das keine nachteilige Entwicklung sein. Deshalb wurde die Ex- pansion, wenn auch mit deutlich gebremstem Tempo, wei- ter fortgeführt. Praktiker gehört daher unverändert in allen Ländern zu den Marktführern, ist in Griechenland, Rumä- nien und Bulgarien sogar unangefochten die Nummer eins der Branche. KOnzeRnlaGebeRicht Geschäft und RahmenbedinGunGen
