PRAKTIKER KONZERN GEschäfTsbERIchT 2009 59 KOnzeRnlaGebeRicht PROGnOsebeRicht „20-Prozent-auf-alles“-Aktionen wird 2010 weiter zurückge- hen, die Ansprache der Zielkundschaft wird differenzierter. Deshalb wird der Umsatz von Praktiker Deutschland 2010 flächenbereinigt leicht zurückgehen oder bestenfalls stag- nieren. Erst für 2011 wird wieder eine Umsatzsteigerung erwartet, weil sich die eingeleiteten Maßnahmen zur Neu- positionierung bis dahin positiv bemerkbar machen sollten. Diese Einschätzung beruht auf der Annahme eines kons- tanten Marktportfolios. Sollten 2010 oder 2011 über die in der Planung berücksichtigten Standortschließungen hinaus Märkte geschlossen werden, weil sich die Rahmenbedin- gungen zwischenzeitlich geändert haben, dann wäre die Erwartung entsprechend anzupassen. Die Marke Max Bahr hat im Laufe des Jahres 2009 in die Überarbeitung der Sortimente investiert und in den Aufbau von Leistungspaketen. Da die Erfahrungen mit den neuen Angeboten bisher positiv ausgefallen sind, erwartet Max Bahr 2010 in einem stagnierenden Markt eine stabile Ent- wicklung des flächenbereinigten Umsatzes. Dafür spricht zudem, dass auch Max Bahr den Anteil der Eigenmarken an den Sortimenten weiter gezielt ausbaut. Darüber hinaus rechnet sich Max Bahr zusätzliche Umsatzpotenziale durch Eröffnung neuer Standorte aus. Der Ende 2009 in Regens- burg eröffnete Markt wird ab 2010 seinen vollen Umsatz- beitrag leisten. Im Folgejahr sollte auch auf vergleichbarer Fläche wieder ein leichter Zugewinn im Umsatz realistisch sein. Chancen für eine Verbesserung der Ertragsqualität beider Marken ergeben sich zudem daraus, dass die Beschaffungs- preise zunächst auf niedrigem Niveau verharren dürften. Diese Erwartung hängt allerdings zum Teil davon ab, ob die Rohstoffpreise weiterhin günstig bleiben und ob der Euro dem Dollar gegenüber seine Stärke behält. Vor diesem Hin- tergrund sollte sowohl 2010 als auch 2011 jeweils eine deut- liche Steigerung des operativen Ergebnisses in Deutschland zu erzielen sein. Dabei sollte sich vor allem die Profitabi- lität der Marke Praktiker in Deutschland deutlich erholen und spätestens 2011 wieder eine EBITA-Marge von 1 bis 2 Prozent erreichen. Max Bahr sollte in der Lage sein, seine EBITA-Marge auf dem 2009 erzielten Niveau zu halten. ausland: der Pionier etabliert sich In den Auslandsmärkten stellen sich die Rahmenbedin- gungen teilweise vollständig anders dar. Ein ganz wichtiger Unterschied: Die Märkte sind bei Weitem nicht so stark ge- sättigt wie in Deutschland. Vor allem in Osteuropa ist der Bedarf an Renovierung und Modernisierung nach Jahrzehn- ten der systembedingten Vernachlässigung privaten Eigen- tums unverändert hoch. Der Wunsch der Menschen, an den westlichen Lebensstandard anzuknüpfen, ist entsprechend ausgeprägt. Gleichwohl ist Praktiker in den Ländern Osteuropas aus der Pionierrolle mittlerweile hinausgewachsen. Die Wett- bewerbslandschaft hat sich belebt, die Pionierrenten der letzten Jahre gehen zunehmend zurück. Aus den Jahren der Aufbauarbeit ist Praktiker indes die Stärke einer jeweils lan- desweit bekannten Marke erwachsen, die für Lösungskom- petenz, Beratung und Produkte hoher Qualität steht. Diese Position bietet attraktive Chancen der Zukunftsgestaltung. So soll das Filialnetz weiter wachsen, damit die Wege der Kunden noch kürzer werden. Warenangebot und Sorti- mentsstruktur passen sich dabei sich ändernden Nachfrage- trends an. Das bedeutet etwa, das Angebot von Baustoffen und Bauchemikalien eher zu reduzieren, das Angebot in den Bereichen Sanitär und Bodenbeläge, Dekoration und Gar- tenartikel stärker auszuweiten. Infolge der Wirtschaftskrise sind auch die Konsumenten in Osteuropa spürbar preissen- sibler geworden. Dem will Praktiker durch die Ausweitung des Angebots von Eigenmarken gerecht werden. Entspre- chend steht dieses Thema weit oben auf der Agenda. Der Transfer des Markenimages auf die Eigenmarke dürfte hier sogar leichter fallen als in Deutschland, da Praktiker in Ost- europa überall als Qualitätsanbieter bekannt und beliebt ist. Nach dem starken Umsatzeinbruch in 2009 rechnet der Praktiker Konzern im Auslandsgeschäft in den kommenden Jahren wieder mit Umsatzwachstum, da die Volkswirtschaf- ten sich wieder erholen und die Wechselkurse sich weiter stabilisieren sollten. Zudem dürften sowohl die 2009 neu eröffneten als auch die 2010 zur Eröffnung anstehenden Märkte einen zusätzlichen Umsatzbeitrag leisten. Nicht nur in absoluten Zahlen, auch flächenbereinigt sollte der Umsatz in den nächsten beiden Jahren aus den genannten Gründen wieder moderat steigen. Das Nachfragepotenzial nach Angeboten der DIY-Branche hält Praktiker auch in den kommenden Jahren unverändert für groß und attraktiv. Deshalb will Praktiker ab 2010 wieder stärker in neue Märkte investieren und auf diese Weise seine führende Marktposition festigen oder sogar ausbauen. Das kann umso besser gelingen, je länger einige Wettbewerber ihre eigenen Expansionspläne auf Eis gelegt haben. Geplant sind sechs Neueröffnungen mit Konzentration zum einen auf solche Länder, die sich aus Sicht von Praktiker am schnells- ten von der Wirtschaftskrise erholen werden, namentlich Polen und Rumänien. Zum anderen auf Griechenland, wo Praktiker damit seine Position als unangefochtener Markt- führer weiter ausbaut. Auch wenn die Planung für 2011 noch nicht verbindlich ist, kann mit einem weiteren, sogar wieder stärkeren Ausbau des Standortportfolios gerechnet werden. Sollte sich dabei die Gelegenheit ergeben, bereits bestehende Standorte anderer Anbieter zu erwerben, wäre das als Alter- native zum rein organischen Wachstum zu prüfen. Bei der Planung neuer Standorte setzt Praktiker unverän- dert auf ein Marktkonzept, das aus zwei Modulen besteht: Neben Standardmärkten mit einer Verkaufsfläche von rund 6.500 bis 8.500 Quadratmetern ist ein Kompaktformat mit etwa 4.000 Quadratmetern entwickelt worden. Dieses Kon- zept erlaubt es, auch in kleineren Einzugsgebieten oder dünner besiedelten Regionen präsent zu sein. Gegenüber
