Report Investor: Q-Cells SE Geschäftsbericht 2009

nen. Die Solarenergie wird dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Wenn wir in ein paar Jahren zurückblicken, werden wir wahrscheinlich feststellen, dass die Krise eine Beschleunigung dieses fundamentalen Trends bewirkte, da die Kosten- und Preisentwicklungen die Konkur- renzfähigkeit der Solartechnologie noch schneller in Reichweite ge- bracht hat. Nichtsdestotrotz, alle Anstrengungen müssen jetzt darauf ausgerichtet werden, die kurzfristigen Auswirkungen von Krise und Marktsituation zu meistern. Vor diesem Hintergrund mag es klingen wie eine Randnotiz – aber die Regierungen dieser Welt stehen offensichtlich immer noch vor einem Erkenntnisproblem, was das Ausmaß und das Zeitfenster dieser glo- balen Aufgabe angeht. Der mit so vielen Erwartungen begleitete Kli- magipfel in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen ist in der Retro- spektive gescheitert. Der Klimawandel bleibt davon unbeeindruckt. Nach ersten Schätzungen der internationalen Energieagentur (EIA) hat der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen auch 2009 wieder zu- genommen. Das Klima erwärmt sich also weiter und zwar mit zuneh- mender Geschwindigkeit. Eine andere Entwicklung, die sich immer mehr zu einer erheblichen Belastung für das weltweite Wirtschaftswachstum auswächst, ist der Anstieg der Preise für fossile Energie. Die Weltwirtschaftskrise 2009 änderte die Vorzeichen hier nur kurz. Der langfristige Trend ist frei- lich unumkehrbar. Der Ölpreis spricht Bände: Nach dem Einbruch Ende 2008 hat sich dieser von Januar 2009 bis Ende Dezember be- reits wieder verdoppelt – wohlgemerkt: trotz der anhaltenden weltwirt- schaftlichen Stresssituation. Ein Blick auf die zukünftig verfügbaren und kostenstabilen Energie- quellen führt damit zwingend zu dem Schluss, dass die Photovoltaik bereits bis zum Jahr 2020 einen sehr wesentlichen Teil zur Lösung die- ser Probleme beitragen wird. Der Markt für Solarenergie kennt daher mittelfristig auch nur eine Richtung: Wachstum. Seit 2009 müssen wir uns allerdings fragen: Wer wird davon profitieren? Welche Volkswirt- schaften werden in 10, 20 und 30 Jahren den gigantischen Nachfra- geschub in Wirtschaftswachstum und Wohlstand übersetzen und wel- che Unternehmen werden dann die Führungsrolle innehaben? Letzteres ist eine Aufgabe, der wir uns stellen müssen – mehr dazu gleich. Die Frage, wo die Industrie künftig beheimatet ist, wo Wert- schöpfung und damit Arbeitsplätze entstehen, ist letztlich eine Frage von vorausschauender und nachhaltiger Industriepolitik. Die Politik in Deutschland hat dazu mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von 2004 und seinen Vorläufern klug die richtigen Weichen gestellt. Auch bei der Überarbeitung des EEG im Jahr 2008 bewies die Regie- rung Fingerspitzengefühl. Bei der aktuellen Revision des Gesetzes, die durch den massiven Preisverfall im vergangenen Jahr notwendig ge- worden war, ist jedoch Augenmaß gefordert. Eine Einmalabsenkung zur Rückkehr zur bewährten Lernkurve ist sinnvoll; über die Höhe lässt sich streiten. Wer allerdings schon heute drastische Absenkun- gen für 2011 und die folgenden Jahre festlegt, riskiert eine Abwan- derung der Industrie. Trotz allem: Wir sind auf einem sehr guten Weg. Mit dem momentan von der Politik diskutierten Ausbaupfad für die Photovoltaik werden wir allein in Deutschland bis 2020 einen Anteil an der Stromversor- gung deutlich über den bisher geplanten 7 % erreichen. Wichtige eu- ropäische Märkte wie Italien und Frankreich haben 2009 erheblich zugelegt und werden auch nach den Vergütungsanpassungen 2010 in dieser Richtung weitergehen. Für Italien rechnen die Experten nach einem Marktvolumen von bis zu 400 MWp im Jahr 2009 mit einem Wachstum auf über 800 MWp im laufenden Jahr. Auch in Nordame- rika nimmt der Zug deutlich an Fahrt auf. In all diesen Märkten ist Q-Cells ein etablierter Anbieter. In Kanada, neben den USA der zwei- te Boom-Markt in der Region, hat unsere Projektentwicklungs-Tochter Q-Cells International erst kürzlich ein 20 MWp-Projekt mit der Star- wood Energy Group unterzeichnet. Nun zu unseren Aufgaben. 2009 war ein Jahr des Umbruchs, das uns auf sehr schmerzhafte Weise unsere Schwächen vor Augen geführt hat. Ein Umsatzrückgang von 36 % auf 802 Mio. m bei einer nur leicht gesunkenen Jahresproduktion von 551 MWp (Vorjahr: 574 MWp), ein EBIT von -486 Mio. m und schließlich ein Jahresergebnis von -1.356 Mio. m (Vorjahr: 191 Mio. m) sprechen eine eindeutige Spra- che. Auch wenn sich diese Summe durch den Verkauf von REC-An- teilen und Abwertungen von Beteiligungen zum größten Teil erklären lässt, zeigen die Zahlen, dass wir in der veränderten Marktsituation durchgreifende Maßnahmen treffen mussten. Umso konsequenter haben wir reagiert. Zunächst dadurch, dass wir unsere Expansion abgebremst und verschoben haben. Dann mit der raschen Vorlage eines einschneidenden Restrukturierungsprogramms namens „Q-Cells Reloaded“, mit dessen Hilfe wir die Produktionskos- ten bis Ende 2010 um 25 % senken werden. Bereits im letzten Jahr wurden 500 Arbeitsplätze abgebaut und unser wichtigster Kostenblock – die langfristigen Rohstoffverträge – erfolgreich nachverhandelt, wo- durch wir mehr Flexibilität und vor allem wettbewerbsfähige Preise er- reicht haben. Zudem hat die Q-Cells SE vor dem Hintergrund der ver- änderten Marktlage die Zukunftsperspektiven ihrer Technologieansätze und Beteiligungen fundamental neu bewertet. Knapp 1 Mrd. m unse- res Nettoverlustes sind mit diesem Schritt verbunden. Solaria, Sunfilm und Sovello haben wir auf null abgeschrieben, die Werte der weiteren Beteiligungen zum Teil reduziert. REC haben wir mit einem Buchver- lust von 601 Mio. m verkauft – und uns im Gegenzug zusätzliche Li- quidität für 2009 gesichert. Mit den Bereinigungen ist Q-Cells einen wichtigen Schritt gegangen, um zukünftige bilanzielle Risiken aus dem Beteiligungsportfolio auszuschließen bzw. zu minimieren. Unsere mittelfristigen Liquiditätsreserven sichern wir inzwischen durch die Einführung eines strafferen Working Capital und Cash Manage- ments. Die Innenfinanzierung konnte signifikant gestärkt werden, so dass unser Bestand an liquiden Mitteln Ende 2009 mit 412 Mio. m deutlich über der angepeilten Marke von 250 bis 300 Mio. m lag. Damit ist die Finanzierung für das laufende Geschäftsjahr gesichert. 5Vorwort Aufbruch Nachhaltigkeitsbericht Aktie Konzernlagebericht Konzernabschluss

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