Report-Investor: Rheinmetall AG - Geschäftsbericht 2009

Zum Defence­Bereich: Der Verteidigungssektor gilt als weitgehend immun gegen Konjunktureinbrüche. Durch die Rekordverschuldung sind die Sparzwänge aber inzwischen so groß, dass die Verteidigungs­ haushalteinDeutschlandund vielen Nato­Staaten unter Druck geraten dürften. Droht Rheinmetall zumindest in den Stammmärkten eine Phase der Stagnation? Ich kann und will nicht aus- schließen, dass die Verteidi- gungshaushalte in einzelnen Staaten tatsächlich unter Druck geraten. Aber verges- sen Sie nicht: Wir haben unseren Auftragsbestand auf über 4,5 MrdEUR erhöht. Dahinter stecken viele Aufträge, die uns langfristig absichern. Und wir erwarten auch in den kommenden Monaten einen ordentlichen Auftragseingang. Außerdem sehe ich Rheinmetall Defence aufgrund seiner spezifischen Marktpositionierung weiter auf einem stabilen Wachstumspfad. Dafür sind drei Gründe ausschlaggebend. Erstens haben wir uns strategisch schon vor Jahren inten- siv mit dem Thema Schutz im Einsatz beschäftigt – mit neuen Produkten und durch gezielte Akquisiti- onen. Heute verfügen wir in diesem Wachstumsseg- ment über ein besonders gefragtes Know-how. In Deutschland und den anderen Nato-Staaten herrscht weit- gehend Konsens darüber, dass wir unsere Soldaten nur mit der besten militärischen Ausrüstung und dem bestmöglichen Schutz in gefährliche Einsätze schicken dürfen. An dieser sensiblen Stelle rechne ich nicht mit grundsätzlichen Veränderungen der Beschaffungs- politik. Ein zweites Argument ist, dass die Last der Auslandseinsätze primär von den Landstreitkräften getragen wird. Dort wird in Zukunft der Schwer- punkt der Neubeschaffung liegen. Davon profitie- ren wir als ein führendes europäisches Systemhaus für Landstreitkräfte. Und drittens gibt es auf interna- tionaler Ebene eine Vielzahl befreundeter Staaten, die ihre Verteidigungsbudgets weiter aufstocken. An dieser Stelle zahlt sich aus, dass wir uns im Defence-Bereich in den vergangenen Jahren deut- lich internationaler aufgestellt und die Abhängigkeit vom deutschen Verteidigungshaushalt stark redu- ziert haben. Zwei Drittel unseres Defence-Umsatzes erzielen wir heute mit Nato-Staaten und ande- ren befreundeten Partnern. Die aktuellen Beispiele für unsere Internationalisierung sind der Ausbau unserer Geschäftsaktivitäten in den USA, unser Joint Venture in den Vereinigten Arabischen Emi- raten und die Übernahme von Denel Munitions in Südafrika. Wie hat sich denn die junge südafrikanische toch­ ter entwickelt? Wir haben bei Denel Munitions innerhalb eines Jahres einen beachtlichen Turnaround geschafft. Die Zusammenarbeit mit den südafrikanischen Kollegen funktioniert bestens. Wir ergänzen uns in vielerlei Hinsicht bei den Produkten und bei den jeweiligen regionalen Marktschwerpunkten, und wir lernen voneinander. Sie haben Anfang 2010 eine Firmenhochzeit gefei­ ert, die für viel Aufsehen gesorgt hat: das Gemein­ schaftsunternehmen von Rheinmetall und MAN für militärische Radfahrzeuge. Die industrielle Führung liegt bei Rheinmetall. Handelt es sich dabei um den strategisch wichtigsten Konsolidierungserfolg der jüngeren Rheinmetall­Geschichte? Wir führen hier zwei Fahrzeugsegmente zusammen, die sich aufgrund der Bedrohungslagen bei Aus- landseinsätzen technisch immer stärker annähern: nämlich die taktischen Fahrzeuge von Rheinmetall und die auf Logistik ausgerichteten Military Trucks von MAN Nutzfahrzeuge. Wir brin- gen in diesem Joint Venture das militärische Know-how von Rhein- metall, etwa beim Schutz, und das Nutzfahrzeug-Know-how von MAN zusammen und können Synergiepotenziale heben. Es handelt sich insofern um einen wichtigen Beitrag zur Konsolidierung bei militärischen Fahrzeugen. Wir schaffen zusammen mit unserem Partner einen international bedeutenden Anbieter im Markt für militärische Radfahrzeuge, der die vollständige Palette der Transport-, Führungs- und Funktionsfahr- zeuge abdeckt. Bildlich gesprochen steigen wir in die Champions League der Ausrüster für Landstreitkräfte auf. Über die neue Partnerschaft mit MAN sollte allerdings nicht in Vergessenheit geraten, dass wir schon in den vergangenen 20 Jahren große Anstrengungen zur Konsolidierung der deutschen und europäischen Wehrtechnikindustrie vollzogen haben. Beispiels- weise mit der Übernahme von MaK, von Henschel und KUKA Wehrtechnik, von STN ATLAS Elektronik und Oerlikon Contraves in der Schweiz oder durch die Übernahme des niederländischen Panzerbauers Stork. ZWEI DRITTEL UNSERES DEFENCE-UMSATZES ERZIELEN WIR INZWISCHEN AUSSERHALB DEUTSCH- LANDS – MIT NATO- PARTNERN ODER ANDEREN BEFREUNDETEN STAATEN 6 RheinmetallRetrospective

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