Report-Investor: Rheinmetall AG - Geschäftsbericht 2009

Kundus, im Norden Afghanistans. Eine Gruppe Männer schleicht sich im Schutz der Dunkelheit bis auf wenige hundert Meter an das Feldlager der deutschen ISAF­truppen der Bundeswehr heran. Dann geht alles ganz schnell. Mit einem Mörser wird eine aus alten russischen Artillerie­ granaten gebastelte Rakete auf das Camp der deutschen Soldaten abgefeuert. Die mörderische Wirkung bleibt zum Glück aus. Modernste technik verhindertdieKatastrophe.ImBruchteileinerSekun­ de hat das neue Raketenabwehrsystem NBS C­RAM die Bedrohung geortet und das Geschoss noch in der Luft zerstört. Aufatmen bei den deutschen Soldaten. Ein Szenario, bei dem es sich schon bald nicht mehr um Zukunftsmusik handelt. Zwei dieser von Rheinmetall Air Defence entwickelten Flugabwehr­ systeme hat die Bundeswehr 2009 zum Schutz ihrer Soldaten bestellt. In der truppe wird das Nächst­ bereichs­Schutzsystem (NBS) gegen Raketen, Artilleriegeschosse und Mörser unter dem Namen MANtIS seinen Dienst tun. Die Technologie ist ein Durchbruch beim Feldlager- schutz. Über 500 ausländische Soldaten sind 2009 in Afghanistan ums Leben gekommen – so viele wie nie zuvor in einem Jahr seit dem Sturz der radikal- islamistischen Taliban 2001. Immer wieder gerieten auch die Bundeswehrfeldlager in Kundus und in Masar-I-Sharif unter Beschuss. Doch bisher ist ein effektiver Schutz mit vorhandenen Waffensystemen nicht möglich. Zu kurz ist die Reaktionszeit, um z.B. bei Mörserbeschuss noch zielsicher agieren zu können. Zwischen Abschuss und Einschlag der Flugkörper liegen oft nur wenige Sekunden. Mit MANTIS verfügt die Bundes- wehr künftig als weltweit erste Armee über ein hoch- wirksames Mittel zur Abwehr von Raketen und Mörserge- schossen. Entsprechend in- teressiert werden die alliier- ten Truppen in Afghanistan dasAbwehrsystemderZukunft beobachten: Die Chancen für Exportaufträge aus befreundeten Nationen stehen gut. Der erste Schutzschirm soll ab 2011 im Feldla- ger Kundus in Afghanistan installiert werden. Das zweite System bleibt zur Ausbildung des Bedie- nungs- und Wartungspersonals in Deutschland. Das Auftragsvolumen beläuft sich insgesamt auf rund 130 Millionen Euro, inklusive Ausbildung und Ersatz- teilen. Außerdem liefert Rheinmetall die program- mierbare Munition im Wert von rund 13 Millionen Euro. Wie arbeiten die innovativen Verteidigungssyste- me? „Ein NBS C-RAM besteht aus einer Bedien- und Feuerleitzentrale, zwei Sensoreinheiten sowie aus sechs 35mm-Geschützen“, erläutert der verantwort- liche Geschäftsbereichsleiter Bodo Garbe. Um die Schnelligkeit zu gewährleisten, arbeitet das Schutz- system bei Tag und Nacht weitgehend automati- siert. Ein Radarsensor erkennt sofort, wenn in bis zu drei Kilometer Entfernung eine Rakete abgefeuert wird und ein Feldlager bedroht. Der automatische Prozess: Die Geschütze feuern sofort etwa 17 Schuss pro Sekunde in die berechnete Flugbahn. Zeitgleich warnt das System automatisch die Soldaten im Feldlager. Eine weitere Stärke des Systems: Neben der Flug- bahn und dem Einschlagort wird auch der Standort der Angreifer exakt berechnet. Eine gezielte Bekämp- fung der Terroristen ist so viel einfacher. Doch damit sind die Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Das Flugabwehrsystem SysFla, das sich derzeit in der Entwicklung befindet und auf NBS C-RAM aufbaut, wird – bei entsprechender Beauftragung – Schutz gegen ein deutlich erweiter- tes Bedrohungsspektrum aus der Luft bieten. Durch die in- telligente Kombination von FlugabwehrkanonenundLenk- flugkörpern ist das SysFla- Konzept auf die Bekämpfung von unterschiedlichsten Flug- körpern und Raketen in bis zu 10km Entfernung ausgelegt 15 RheinmetallRetrospective Intelligente Raketen- abwehr für die Bundeswehr in Afghanistan

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