Report-Investor: Rheinmetall AG - Geschäftsbericht 2009

RHEINMETALL UND DIE WELTWIRT- SCHAFTSKRISE 4 RheinmetallRetrospective Rückblick: In den Wintermonaten 2008/2009 rutschte die Weltwirtschaft in die tiefste Rezession der Nachkriegsgeschichte. Konjunkturforscher kamen kaum nach, ihre Prognosen nach unten zu revidieren. Die Finanzmärkte – scheinbar im freien Fall – fanden keinen Halt, während in der Auto­ mobilindustrie rund um den Globus die Bänder still­ standen. Unzählige Unternehmen gerieten in eine existenzbedrohende Schieflage. Anders Rhein­ metall: Zwar wurde auch der Automotive­Bereich hart von der Krise getroffen, die Defence­Sparte zeigte sich jedoch ausgesprochen robust und setzte ihren Wachstumskurs gegen den allgemeinen Abwärtstrendfort.MitseinerZwei­Säulen­Strategie stand Rheinmetall deutlich stabiler da als viele andere Industrieunternehmen. Die Krisenfestigkeit und das nachhaltige Wachstumspotenzial des Kon­ zerns wurden 2009 mit einem konti­ nuierlich steigenden Aktienkurs und einer erfolgreich platzierten Kapital­ erhöhung honoriert. Großaufträge wie für den Schützen­ panzer Puma, aber auch das um­ fassende Restrukturierungsprogramm bei Kolben­ schmidt Pierburg stützten die Erwartung der An­ leger, dass Rheinmetall in beiden Unternehmensbe­ reichen gestärkt aus der weltweiten Rezession her­ vorgehen wird. Im Gespräch blickt der Vorstands­ vorsitzende der Rheinmetall AG, Klaus Eberhardt, noch einmal auf das Geschäftsjahr 2009 zurück und gibt einen Ausblick auf die anstehenden Herausforderungen. Herr Eberhardt, 2009 wird weltweit als ein extrem schwieriges Krisenjahr in die Geschichtsbücher ein­ gehen. Wenn Sie für Rheinmetall rückblickend Bilanz ziehen, welche Herausforderung oder welche Leis­ tung hat das Jahr aus Ihrer Sicht besonders geprägt? Ganz zweifellos die dramatische Krise der gesamten Automobilindustrie mit zuvor ungeahnten Produk- tionsrückgängen und das ebenso massive Gegen- steuern unseres Automotive-Bereichs. Die Führungs- mannschaft von Kolbenschmidt Pierburg hat sich zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbei- tern in einer beeindruckenden Art und Weise gegen die Krise gestemmt und das Steuer im vierten Quartal 2009 mit einem positiven operativen Ergebnis wieder herumgerissen. Dieser Kraftakt bleibt für mich die herausragende Leistung im Geschäftsjahr 2009. Mit Beginn der Krise haben wir unverzüglich einschnei- dende Kostensenkungs- und Restrukturierungspro- gramme aufdenWeg gebracht, die den Grundstein für eine nachhaltige Erholung gelegt haben. Wir haben Restrukturierungskosten in Höhe von 138 MioEUR ge- schultert, gleichzeitig aber auch die Fixkosten deut- lich gesenkt. Bei den Investitionen sind wir auf die Bremse getreten. Mit all dem haben wir unsere Liqui- dität geschont. Wir haben rund um den Globus vier Werke geschlossen und haben uns seit Mitte 2008 leider auch von etwa 3.000 Mitarbeitern trennen müssen. Die Einschnitte sind schmerzhaft, aber für die langfristige Stärkung unserer Wettbewerbsfähig- keit und Ertragskraft unumgänglich. Gegenüber anderen Automobilzulieferern hatten Sie aber einen entscheidenden Vorteil: Die Kri­ senfestigkeit des Defence­Geschäfts hat doch den ganzen Konzern vergleichsweise stabil durch die Krise kommen lassen. Zweifellos hat sich unser Defence- Geschäft erneut als krisenfest erwie- sen und einen entscheidenden Beitrag zur Stabilität im Konzern geleistet. Doch die Rekordumsätze und -ergebnisse im Defence-Bereich waren alles andere als ein Selbstläufer. Auch dort haben wir hart gearbeitet; wir haben Kosten gesenkt und sind bei der Reduzierung unseres Working- Capital ein gutes Stück vorangekommen. Deshalb ist es gelungen, die EBIT-Marge bei Defence von 10,7% auf 11,3% zu steigern. Und insofern gilt auch unserer gesamten Defence-Mannschaft mein aus- drücklicher Dank für den erstklassigen Job, den sie 2009 gemacht haben. Ist die Krise im Automotive­Geschäft bereits über­ standen? Wir haben die Talsohle im Sommer 2009 durch- schritten und spüren, dass der Markt sich erholt. Stabil auf zwei beinen

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