60 | Konzernlagebericht Perspektiven Trotz Konsolidierungsbedarfs hohe Stabilität des Verteidigungssektors |Aufgrund der massiven Konjunktur- programme zur Bekämpfung der Weltwirtschaftskrise wird der Konsolidierungsbedarf vieler Staatshaushalte in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Dennoch gibt es derzeit keine Anzeichen dafür, dass die Regierungen der NATO-Staaten und ihrer befreundeten Nationen zu einer Verteidigungspolitik nach Kassenlage übergehen werden. Dazu sind die absehbaren sicherheitspolitischen Herausforderungen durch militärische Auslandseinsätze, den internationalen Terrorismus, unberechenbare Regime und ungelöste Regionalkonflikte einfach zu groß. Hinzu kommt, dass die notwendige Modernisierung der Streitkräfte und die Schließung von Fähigkeitslücken technologisch komplexe Beschaffungsvorhaben mit langfristigen Planungshorizonten voraussetzen. Die für eine verantwortungsvolle Sicherheitspolitik unausweichliche Kontinuität spiegelt beispielsweise auch der deutsche Verteidigungshaushalt für 2010 wider, der mit einem Volumen von 31,14 MrdEUR in etwa dem Vorjahreswert von 31,18 MrdEUR entspricht. Mit fast 7,7 MrdEUR legen die verteidigungsinvestiven Ausgaben, die für die Beschaffung von modernem militärischem Gerät entscheidend sind, sogar leicht zu. Ihr Anteil am Gesamtbudget liegt 2010 bei 24,7%, nach 24,4% im Jahr 2009. In den USA wird der Verteidigungsetat in 2010 mit rund 665 MrdUSD zwar leicht unter dem hohen Vorjahres- wert von rund 683 MrdUSD liegen. Dennoch investieren auch die Vereinigten Staaten weiter massiv in die Modernisierung ihrer Streitkräfte und den Schutz der eigenen Soldaten. Laut dem Fachmagazin DefenseNews sieht die US-Etatplanung für 2011 eine Aufstockung der Militärausgaben auf den neuen Rekordstand von 708 MrdUSD vor. Während Italien die Verteidigungsausgaben 2010 im Vergleich zum Vorjahr leicht reduziert, liegen die Verteidigungsbudgets von Frankreich, Spanien und Deutschland in etwa auf dem Niveau von 2009. In Großbritannien wird sogar mit einem moderaten Anstieg der Verteidigungsausgaben gerechnet. Darüber hinaus stehen in einigen asiatischen Ländern – die weniger stark von der Weltwirtschaftskrise getroffen wurden – umfassende Modernisierungsprogramme an, die zu steigenden Ausgaben im Verteidigungssektor führen werden. Automobilbranche weiterhin vor großen Herausforderungen | Nach dem Auslaufen von staatlichen Umwelt- prämien und Konjunkturprogrammen steht der Automobilbranche in zahlreichen Ländern auch 2010 eine schwierige Periode bevor. „Das Jahr 2010 wird für die gesamte Automobilindustrie erneut enorme Belastungs- proben bereithalten“, erklärte beispielsweise Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA) im Dezember 2009. „Wir können nicht davon ausgehen, dass 2010 auf den Weltmärkten wieder ähnlich hohe Verkaufszahlen erreicht werden wie 2008.“ Aber zumindest ein leichtes Plus gegenüber 2009 dürfte laut VDA im Bereich des Möglichen liegen. In Bezug auf die globale Produktion von Pkw und Light Commercial Vehicles bis 3,5 t sagen die Branchenanalys- ten von CSM Worldwide für 2010 zwar einen Zuwachs von 8,7% auf 61,4 Mio Fahrzeuge voraus (2009: 56,5 Mio). Dieser Wert wird aber deutlich unter den produzierten Einheiten der Jahre 2008 (65,5 Mio) und 2007 (68,6 Mio) zurückbleiben. Eine spürbare Erholung prognostizieren die CSM Worldwide-Experten für 2010 im NAFTA-Raum, wo nach drei Krisenjahren nun wieder ein kräftiges Plus von 23,6% erwartet wird. Dagegen kommt der Branchenmotor in Westeuropa nicht richtig auf Touren. Mit einem Minus von 2,3% im Jahr 2010 fallen die Erwartungen für die westeuropäische Produktion weiterhin gedämpft aus. In Deutschland soll der Rückgang sogar 5,3% betragen. Dagegen wird für Osteuropa nach dem drastischen Einbruch im Berichtsjahr 2009 für 2010 wieder mit einem Wachstum von 5,6% gerechnet. Auch für den japanischen Markt sagt CSM Worldwide eine deutliche Erholung voraus: Hier soll der Produktionszuwachs 15,7% betragen. Für China wird nach dem über 45%igen Wachstum in 2009 im Jahr 2010 ein vergleichsweise moderater Anstieg von 5,1% erwartet. Große Hoffnungen setzt die Branche zunehmend auf den indischen Markt. Dort wird die Produktion gemäß der CSM Worldwide-Prognose mit 14,3% erneut zweistellig wachsen.
