Report-Investor: ThyssenKrupp AG - Geschäftsbericht 2008 2009

95KonzernLagebericht Überblick über den Geschäftsverlauf im Konzern Bei Rohstahl betrugen in den ersten Monaten 2009 die durchschnittlichen Auslastungsraten welt- weit nur rund 60 %, in der EU und den USA waren es zeitweise sogar weniger als 50 %. Vom Spätsommer an zeichnete sich ein Ende dieser Talfahrt ab, da auf Grund lagerzyklisch anziehender Nachfrage viele Produzenten ihre Erzeugung wieder hochfuhren. Die deutsche Stahlindustrie musste 2009 einen Rück- gang ihrer Produktion um 30 % auf rund 32 Mio t verkraften, nachdem sich auch hier die Auslastung im Laufe des Jahres von ihrem Tiefpunkt erholen konnte. Der starke Rückgang der Stahlnachfrage ging mit einem massiven Verfall der internationalen Stahlspotpreise einher. In Europa und Nordamerika hatten sich diese seit ihrem historischen Höchst- stand zur Mitte des Jahres 2008 annähernd halbiert. Erst zur Jahresmitte 2009 kam es im Zuge einer wieder festeren Mengenkonjunktur zu einer Bodenbildung bei den Preisen. Dabei stützte die Tatsache, dass viele Produzenten auf den Nachfrageanstieg nur verzögert mit einer höheren Produktion reagieren konnten, den Preisauftrieb. Eine gegenläufige Entwicklung kennzeichnete den chinesischen Stahlmarkt. Unter dem Einfluss staatlicher Konjunkturprogramme ist die inländische Stahlnachfrage 2009 spürbar gewachsen. Dies und die rezessionsbedingt niedrige Nachfrage auf den Weltmärkten ließen die chinesischen Stahlex- porte signifikant zurückgehen, und China wurde wieder Netto-Importeur. Ab August zeigte der Markt allerdings deutliche Überhitzungserscheinungen, da das Nachfragewachstum spekulativ überhöht und von einem erheblichen Lageraufbau begleitet war. Es setzte eine Korrektur ein, die Nachfrage sank, die Preise gaben nach, und die chinesische Stahlindustrie nahm ihre zuvor stark eingeschränkten Exportaktivitäten wieder auf. Auch der europäische Qualitätsflachstahlmarkt geriet vom 4. Quartal 2008 an in den Sog der glo- balen Rezession. Der Versand der europäischen Stahlproduzenten ging rezessions- und lagerzyklisch bedingt stark zurück. Die ausgeprägte Nachfrage- und Preisschwäche auf dem europäischen Markt hat auch die Importkonkurrenz aus Drittländern begrenzt. Die Lagerbestände beim Handel und bei den Endverbrauchern waren nach anfänglich sehr zögerlichen Anpassungen bis zur Mitte des Jahres 2009 soweit reduziert, dass sich die Auftragslage der Stahlindustrie danach besserte und die Preise erhöht werden konnten. Der tatsächliche Verbrauch blieb jedoch schwach. Der Stahlmarkt in Nordamerika stand 2009 ebenfalls unter dem Eindruck eines kräftigen Lagerab- baus, der die konjunkturell ohnehin niedrige Stahlnachfrage zusätzlich bremste. Der heimische Absatz der amerikanischen Stahlindustrie und die Importe aus dem Ausland gaben stark nach. Der damit einhergehende Preisrückgang fiel noch höher aus als in Europa. In den Sommermonaten zog aber auch hier die Stahlnachfrage wieder an – getrieben vor allem durch notwendige Lagerergänzungen. Wie in Europa konnte das Angebot der wieder steigenden Nachfrage nur verzögert folgen, was die Erholung der Preise forcierte. THyssENKRUpp UMsaTz NacH KUNdENgRUppEN 2008/2009 in % Handel 15 Automobil- industrie 20 Energie und Versorgung 4 Bauwirtschaft 11Verkehrstechnik 2 Öffentliche Hand 3 Übrige Kunden 15 Verpackungsindustrie 3 Maschinen- und Anlagenbau 14 Stahl und stahlnahe Verarbeitung 13 Der chinesische Stahlmarkt ist 2009 gegen den Trend spürbar gewachsen – dank staatlicher Konjunkturprogramme.

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