amstag ist Fußballtag. In der „Rakshak Society“, einem Wohngebiet am Rande der indischen Millionenstadt Pune, versammelt sich eine wild gemischte deutsch- indische Truppe auf dem Bolzplatz. Die einen spielen im weißen Trikot mit Volkswagen Logo, die anderen im glänzenden Grün des VfL Wolfsburg. Mittendrin kickt Dr. Olaf Dettmann, ge- lernter Bauzeichner und promovierter Ingenieur. Er ist Mitar- beiter der Abteilung Planung Fabrikstruktur. Die Trikots für die Kinder haben er und seine Kollegen mitgebracht. Zusam- men treten sie als die „Rakshak Society Kickers“ gegen den Ball. In Sportschuhen laufen dabei nur die Söhne der aufstre- benden indischen Mittelklasse auf, die Kinder der einfachen Hausangestellten nicht. Sie spielen barfuß. Das tut der Begeis- terung und dem Mannschaftsgeist aber keinen Abbruch. Ge- meinsam wird gejubelt und geflucht. „Man kann hier prima indische Schimpfwörter lernen“, freut sich Dettmann. Von Mannschaftsgeist versteht der Baufachmann etwas – nicht nur auf dem Bolzplatz. Der Aufbau einer kompletten Automo- bilfabrik in einem neuen Land erfordert Teamfähigkeit und die Bereitschaft, sich mit kulturellen Unterschieden ausein- anderzusetzen. Als Olaf Dettmann zum ersten Mal am neuen Standort in Chakan – etwa 25 Kilometer von der Millionen- stadt Pune entfernt – eintraf, flimmerte eine gigantische Sand- und Schotterfläche vor ihm in der Hitze. Am Rande stand ein einsamer Container und sonst nichts. Auf einem angrenzen- den Hügel thronte ein Shiva-Tempel. Heute produzieren hier bereits über 2.000 Mitarbeiter in der wohl modernsten Auto- fabrik Indiens den Volkswagen Polo und den Škoda Fabia nach den konzernweiten Volkswagen Qualitätsstandards. Bis zu 110.000 Fahrzeuge jährlich können hier vom Band laufen. Und der göttliche Shiva schaut von oben wohlgefällig zu. Dr. Jan Spies, Leiter der Abteilung Planung Fabrikstruktur mit Sitz in Wolfsburg, managt etwa 70 Mitarbeiter, die es ge- wohnt sind, in alle Welt auszuschwärmen. Fast gleichzeitig mit dem Standort Pune entstand die neue Produktionsstätte im russischen Kaluga; ein weiteres Volkswagen Werk wird gegen- wärtig in Chattanooga im US-Staat Tennessee errichtet. Um diese Herausforderungen fern des deutschen Stammsitzes zu meistern, verfügen die Wolfsburger über ein gut gepflegtes Netzwerk mit bewährten Experten, die je nach Bedarf hinzu- gezogen werden – unter anderem für den Aufbau von Fabriken auch in Gegenden mit besonderen klimatischen Bedingungen. Gefragte Fachleute sind beispielsweise Elektroingenieure, die auf die Besonderheiten in der Automobilfertigung spezialisiert sind. Lüftung und Klimatechnik müssen ebenso stimmen wie die Versorgung mit Druckluft, mit heißem oder kaltem Wasser. Architekten, Bauingenieure, Maschinenbauer und Betriebs- wirte arbeiten in Wolfsburg und vor Ort Hand in Hand. S
