Report-Investor: Volkswagen AG - Geschäftsbericht 2009

Inder eher die Ausnahme ist.“ Auf solche Feinheiten muss man achten, wenn man Indien verstehen will – ein Land mit über einer Milliarde Einwohnern, zwei Dutzend Amtssprachen und einer kulturellen Vielfalt, die der Europas in nichts nachsteht. Davon können auch Dettmann und seine Kollegen ein Lied sin- gen. Selbst die Inder untereinander verstehen sich manchmal aufgrund der Sprachvielfalt im Land nicht. Und zwischen Deutschen und Indern gibt es noch mehr Raum für Missver- ständnisse. Ein Beispiel sind die unterschiedlichen Vorstel- lungen von Zeitplanung. „Ich frage nie: Wann seid ihr fertig?“, erzählt Dettmann, „sondern nur: Wann fangt ihr an?“ Daraus könne er dann erahnen, wann mit der Fertigstellung eines Bauabschnitts gerechnet werden könne. Nicht auf den Tag ge- nau, aber auf die Woche. „Jetzt mach das mal jemandem in Wolfsburg klar, der die Produktionsmaschinen losschicken will und ein Dach auf der Halle verlangt“, rauft sich Dettmann die Haare, „der fragt mich nicht nach der Woche, sondern höchstens nach der Uhrzeit.“ Allerdings ist die Qualität, die die indischen Arbeiter trotz un- gewohnter Arbeitstechniken abliefern, für die Deutschen be- eindruckend. „Es gibt hier noch keine Stahlbetonmatten“, er- zählt Dettmann, „beim Bauen wird stattdessen jede Betonlage von Hand verbunden. Beim Putz wird die von den Frauen ange- rührte Mörtelmasse mit wokähnlichen Stahlbehältern über Gerüste bis zu sieben Meter nach oben getragen und dann von den Männern der Familie verarbeitet. In Indien bestreiten viele Familien so ihren Lebensunterhalt. „Für Europäer mag das befremdlich sein, für viele Inder ist es eine Frage des Über- lebens“, erklärt Dettmann. Die Ausschreibungen und Standards des Volkswagen Konzerns beinhalten sehr klare soziale und sicherheitstechnische Re- geln für die Arbeit auf den Baustellen. So ist es beispielsweise strikt verboten, schwangere Frauen einzustellen. Auf Gegen- liebe bei den Betroffenen stößt dies aber nicht unbedingt: „Warum nehmt ihr uns die Möglichkeit, Geld zu verdienen?“, wurde Dettmann gefragt. Es ist nicht immer einfach, als Puffer zwischen den verschiedenen Ansprüchen und Wertvor- stellungen vollkommen unterschiedlicher Gesellschaften zu fungieren. Und doch gelingt es in Indien ganz gut: „Wir haben dafür gesorgt, dass die Kinder auf unserem Gelände einen Spielplatz, eine Schule, etwas Ordentliches zu essen und saubere Getränke zur Verfügung haben“, so Dettmann. Alle Beteiligten seien gerade wegen der erschwerten Bedingungen stolz auf ihr neues Werk, resümiert er: „Es war vielleicht nicht immer alles pünktlich, aber wir haben es gemeinsam geschafft, dass hier jetzt Autos nach dem hohen Qualitäts- anspruch von Volkswagen gebaut werden können.“

Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download